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Die Revolution stelle ich mir etwa so vor:
Die progressiven Kräfte: Mittelständische Unternehmer, Landwirte, Ärzte, Rauschgifthändler, unterstützt von den verbliebenen Banken, Teilen der Justiz und des letzten Bundestages konnten die Führung der Bundeswehr davon überzeugen, daß jetzt endlich Schluß sein müsse mit diesem pseudodemokratischen Gewäsch und dem Menschenrechtsgerede. Bei zwölf Morden auf tausend Einwohner jedes Jahr und bürgerkriegsähnlichen Zuständen an den polnischen Grenze höre der Spaß nun auf.
Der Generalbundesanwalt wurde zum Diktator mit ausserordentlichen Vollmachten ausgerufen, der den Unruhen mit eiserner Faust ein Ende setzte. Der neuernannte Bundesgeneralstab, der sich explizit auf seine gute preussische Traditon berief, bildete eine Art »Junta«. Die ersten, die erschossen wurden, waren die Vorstandsmitglieder und Fraktionsvorstände der großen Volksparteien und der Bündnis-Grünen. Die meisten Regierungs- und Parlamentsmitglieder wurden in verschiedenen ehemaligen Bundeswehrkasernen inhaftiert, ebenso wie die Führer der Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände, sowie die Vorstände und Aufsichtsräte der Großbanken und Versicherungen. Etliche hundert von ihnen wurden unter ungeklärten Umständen tod aufgefunden.
Heerscharen von Arbeitslosen Akademikern, Sozialhilfeempfängern, Regierungsbeamten und Steuerberatern wurden von mit Maschinenpistolen bewaffneten Patrouillen bei der Zwangsarbeit auf den verödeten Feldern beaufsichtigt.
Die neuen Machthaber verkündeten alsbald eine neue Verfassung, die aus der der römischen Republik und dem preussischen Dreiklassenwahlrecht kombiniert gewesen war. Die ersten Senatoren des wichtigsten Entscheidungsorgans, des Senats, bestellten die neuen Machthaber selbst - unter anderem: sich selbst. Die »Volksversammlung« wurde nach dem Drei-Klassen-Wahlrecht gewählt, hatte aber keinen Einfluß auf Regierungsbildung und Etat.
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