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Über die Einrichtung griechischer B. sind wir weit weniger unterrichtet als über die römischen. Es scheint, dass sie nicht so viele Räume verschiedener Bestimmung enthielten. Ein eigenes Auskleidezimmer scheint meistens nicht vorhanden gewesen zu sein, bei Aristot. probl. 29, 14, wo vom Badediebstahl die Rede ist, wird vorausgesetzt, dass man die Kleider in dem gemeinsamen Baderaum ablegte. Auch von einem Durchgangsraum wie das römische Tepidarium ist keine Spur, und es fehlt in dem Bade der Palaestra bei Vitr. V 11, 2. Im Hauptraum gab es nach Polyb. XXX 23 (20), 3 eine grosse gemeinsame Wanne, μάκτρα, und kleinere, πύελοι, für Einzel-B., die von vornehmeren Leuten (κομψότεροι) benutzt wurden, also mehr kosteten. Doch wurde auch die gemeinsame Wanne πύελος genannt, Eupolis bei Poll. VII 168. Die Wanne heisst auch πυρία, Athen. V 207f. Anth. Pal. XI 243. Phrynich. p. 325 Lob. Es scheint, dass in Griechenland und im griechischen Orient die Einzelbäder mehr üblich waren (vgl. Koldewey Athen. Mitt. IX 1884. 45ff. über die B. in Assos, Ephesos und Alexandria Troas) als in Italien und im Westen. In demselben Raume stand auch, wie es scheint, ein grosses Waschbecken, λουτήρ, Poll. VII 167. Moschion bei Athen. V 207 f, wo ein 5 Metreten (19,7 Liter) fassender λουτήρ erwähnt wird. Dieser, [2745] rund und auf einem Fusse (ὑπόστατον Poll. X 46) ruhend ist öfter auf Vasen abgebildet (s. Labrum). In demselben Raume war auch, nach Plut. Demetr. 24, die ἐσχάρα (Poll. VII 166), auf der im χάλκωμα oder χαλκεῖον das Wasser erhitzt wurde; und zwar standen auf derselben sowohl Gefässe mit kochendem Wasser (Plut. Demetr. 24) zum Mischen, als auch solche mit temperiertem zum Übergiessen (Theophr. char. 9). Die richtige Temperatur in den Wannen wurde durch Zugiessen (παραχέειν, Plut. apophth. Lac. var. 49) hergestellt. Auch Begiessungen kommen vor (Plat. de rep. I 344 d); das hierzu benutzte Gefäss hiess ἀρυταίνα (Aristoph. bei Poll. X 63. Theophr. char. 9). Nach letzterer Stelle wurde man stehend von den Badedienern übergossen; Begiessungen in der Wanne bei Homer (s. Ἀσάμινθος) und später Gal. X 725 K. Die Badediener heissen παραχύται (Athen. XII 518 c. Plut. de invid. 6), auch λουτροχόοι (so schon Hom. Od. XX 297. Athen. a. O.), βαλανεῖται (Polyb. XXX 23 (20), 3), mit allgemeinerem Ausdruck auch βαλανεῖς (Plut. a. O.). Sonst ist βαλανεύς der Vorsteher des Bades (Ar. Plut. 955; ran. 710. Alciphr. 1, 23. Plut. de cup. div. 5. Anth. Pal. IX 617), welcher die die Stelle der Seife vertretenden Reinigungsmittel, ῥύμμα, σμῆγμα, νίτρον, κονία, Κιμωλία γῆ, lieferte (Arist. ran. 710; Lys. 378 m. d. Schol.) und das Badegeld, ἐπίλουτρον, erhob.
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