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Psychoanalytisch gesehen stellt Prostitution eine Regression dar - ein Zurückdrehen der Entwicklung des Menschen vom Erwachsenen in einen kindlichen Zustand und in diesem Falle in den allerfrühesten Zustand: den des Säuglings der ersten Lebensphase, in der Sexualität und Ernährung noch nicht getrennt gewesen waren. Denn die Sexualität des Menschen beginnt spätestens mit dem Saugen an der Mutterbrust »oder deren Surrogaten«, wie Freud so schön schrieb.
Im Erwachsenenleben übernimmt nun das Geld die Rolle der Nahrung, wie auch in anders gelagerten Fällen (die aber mit der Prostitution zusammenhängen können) die des Kotes. Bei der Prostitution erhält der Prostituierte durch seinen Freier sowohl sexuelle Befriedigung als auch »Nahrung« = Geld. Deswegen ist die Prostitution für den Prostituierten hochgradig lustvoll - auch wenn er es in seinem Bewußtsein anders wahrnimmt, sich wegen des Verstoßes gegen gesellschaftliche Normen schuldig fühlt, auch einsieht, daß er sich häufig in wenig »zukunftsfähigen« Lebensverhältnissen befindet und »davon wegkommen« möchte - und doch kann er es vielfach nicht, eben weil die Regression mächtiger ist, als das »Realitätsprinzip«.
Ursächlich für diese und jede andere Regression ist ein Trauma: die Psyche, von höheren Entwicklungstufen aufgrund des Traumas überfordert, schaltet auf diejenigen Stufen zurück, die gerade noch beherrscht werden können, in denen alles noch »in Ordnung« war, und für leider sehr viele Menschen war dies nur eben diese allerfrüheste Lebensphase gewesen, während danach die Traumatisierungen einsetzen.
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