|
Ein äußerer Zwang darf jedoch dabei nicht stattfinden. Der Trieb dazu muß ein innerer sein, dieser wird jedoch durch das Zusammenleben der Kinder in der Schule, ist er vom Lehrer angeregt und anfangs auch vielleicht nur von wenigen Eltern und Kindern ersfaßt, bald genug so mächtig wirken, daß der Besitz eines Sparbüchleins nicht als bloßes Glück des Besitzes, sondern als eine Ehre erscheinen wird, welcher selbst das ärmste Kind theilhaftig sein will. Einsichtige Eltern halten wohl überall ihre Kinder zum Sparen an, und es bestehen Kinder-Sparbüchsen in jeder guten Familie. Niemand wird zweifeln, daß auch dieses Sparen sein Gutes hat, aber es ist doch bedeutend verschieden von dem öffentlichen Sparen. Wir wollen nicht einmal den Umstand hoch anschlagen, daß der Inhalt der Sparbüchsen in der Familie nicht immer zu dem bestimmten Zwecke auch wirklich verwendet, daß die Casse nur zu oft von den Kindern und nicht selten sogar von den Eltern zu anderen Zwecken angegriffen und dadurch die moralische Wirkung des Sparens bedeutend verkürzt wird; wir deuten nur auf den Umstand hin, daß das Sparen in der Familie eine Art geheimes Thun ist, das blos sich im Auge hat, eher geeignet, Selbstsucht zu begründen und dem Laster des Geizes Vorschub zu leisten, während das öffentliche Sparen das Gemeingefühl in den Kindern weckt und durch den vernünftigen Zweck des Sparens von vornherein dem unvernünftigen Geiz den Eingang verschließt.
|