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Der Feldmarschall v. Moltke, der von 70/71, war ein schwerreicher Mann geworden, nach heutigen Maßstäben Milliardär - nicht etwa durch die großzügigen Dotationen des Königs und Kaisers an den siegreichen Feldherren, sondern weil Moltke neben der strategischen auch die wirtschaftliche Bedeutung von Eisenbahnen schon sehr früh erkannt und entsprechend investiert hatte. »Insidergeschäfte« würde man heute sagen - damals fand niemand was dabei, daß Moltke Aufsichtsrat einiger Eisenbahngesellschaften gewsen war. So konnte er sich in Berlin ein regelrechtes Palais leisten, in dem er ein großzügiges »offenes Haus« hielt. Er ist biblisch alt geworden, ein paar 90 Jahre und war bis zuletzt topfit. An seinem Todestag hatte er einmal wieder eine Abendgesellschaft gegeben, lange Karten gespielt. Auf sein Bitten hin setzte sich ein mit ihm befreundeter junger Pianist an den Flügel und spielte Mozart. Moltke genoss die Musik, schloss lächelnd die Augen. Erst als das kleine Konzert zuende war, alle aufstanden und applaudierten, der Feldmarschall aber immer noch mit geschlossenen Augen lächelnd in seinem Sessel sitzen geblieben war, merkte man was: er war gestorben.
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