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Angie schrieb am 17.7. 2026 um 07:58:44 Uhr über

Scheidungskind

Es gibt Abende, da sitzt mir meine Kindheit gegenüber.

Sie bestellt nichts.

Sie wartet nur.

Ich gieße nach.

Nicht weil der Whisky Antworten hätte. Sondern weil Fragen mit jedem Glas leiser werden.

Meine Mutter blieb.

Mein Vater ging.

Die Leute tun immer so, als wäre das eine Geschichte.

Ist es nicht.

Es ist eine Gewohnheit.

Du gewöhnst dich daran, Koffer zu packen. Daran, nicht zu fragen. Daran, jedes Lachen darauf zu prüfen, ob es morgen noch da ist.

Irgendwann merkst du, dass du selbst längst gegangen bist. Nicht nach Lampedusa. Nicht nach Klagenfurt.

Einfach weg von dem Kind, das glaubte, Erwachsene wüssten, was sie tun.

Ich hebe mein Glas.

Nicht auf meinen Vater.

Nicht auf meine Mutter.

Auf das Mädchen, das zwischen zwei Leben stand und trotzdem nicht umfiel.

Sie hatte mehr Rückgrat, als wir Erwachsenen je zugeben werden.

Ich trinke aus.

Die Vergangenheit bleibt.

Aber sie zahlt heute nicht mehr meine Rechnung.


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