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David schrieb am 19.7. 2026 um 07:44:16 Uhr über

Scheidungskind

DavidDer Vater

David unterrichtet
Geschichte.

Seine Schüler
mögen ihn.

Er kann erklären,

warum Reiche
zerbrechen.

Warum Mauern
fallen.

Warum Kriege
enden.

Nur seine eigene
Geschichte

erzählt er nie.

Als seine Eltern
sich trennten,

war er alt genug,

alles zu verstehen.

Und jung genug,

um sich
für alles
schuldig zu fühlen.

Er wurde
das pflegeleichte Kind.

Machte Hausaufgaben.

Räumte auf.

Brachte gute Noten.

Er dachte,

wenn er
keine Probleme macht,

bleiben vielleicht
wenigstens
die Erwachsenen.

Sie blieben nicht.

Heute
ist David
selbst Vater.

Zwei Kinder.

Ein Reihenhaus.

Ein Apfelbaum
im Garten.

Von außen

ein Leben,

wie aus
einem Prospekt.

Seine Frau
sitzt ihm
manchmal
schweigend gegenüber.

Nicht aus Wut.

Aus Entfernung.

Sie sagt:

»Wir leben
nebeneinander

David nickt.

Er weiß,

dass sie recht hat.

Aber jedes Mal,

wenn sie
das Wort
Trennung
ausspricht,

zieht sich
etwas
in ihm zusammen.

Nicht wegen sich.

Wegen der Kinder.

Er hört
plötzlich wieder
das Knallen
einer Autotür.

Er riecht
den Karton,

in dem sein Vater
seine Bücher
wegtrug.

Er sieht
sein Kinderzimmer,

das plötzlich
zu groß wurde.

Also bleibt David.

Nicht aus Liebe.

Aus Angst.

Er repariert
den Wasserhahn.

Mäht den Rasen.

Plant Urlaube.

Vergisst,
seine Frau
anzusehen.

Sie schlafen
im selben Bett.

Zwischen ihnen

liegt eine Stille,

die jeden Monat
ein wenig wächst.

Seine Tochter
fragt einmal:

»Papa,
bist du glücklich

David lächelt.

So,
wie Kinder
lächeln,

wenn sie sagen,

alles sei gut.

Abends
korrigiert er
Klassenarbeiten.

Ein Schüler
schreibt:

Geschichte wiederholt sich nicht.
Aber Menschen wiederholen,
was sie nicht verstehen.“

David legt
den Rotstift weg.

Zum ersten Mal
fragt er sich,

ob er seine Familie

wirklich schützt.

Oder ob er
nur versucht,

den Schmerz
seiner eigenen Kindheit

seinen Kindern
zu ersparen

und ihnen dabei

eine andere Form
des Verlustes

vorlebt.


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