Anzahl Assoziationen zu diesem Stichwort (einige Beispiele folgen unten) 30, davon 30 (100,00%) mit einer Bewertung über dem eingestellten Schwellwert (-3) und 5 positiv bewertete (16,67%)
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positiv bewertete Texte
Der erste Text am 17.7. 2026 um 07:57:13 Uhr schrieb
Angie über Scheidungskind
Der neuste Text am 29.7. 2026 um 05:42:37 Uhr schrieb
Gerhard über Scheidungskind
Einige noch nie bewertete Texte
(insgesamt: 25)

am 19.7. 2026 um 07:47:20 Uhr schrieb
René über Scheidungskind

am 19.7. 2026 um 07:52:55 Uhr schrieb
Emma über Scheidungskind

am 21.7. 2026 um 02:14:07 Uhr schrieb
Basti über Scheidungskind

Einige überdurchschnittlich positiv bewertete

Assoziationen zu »Scheidungskind«

Angie schrieb am 17.7. 2026 um 07:57:13 Uhr zu

Scheidungskind

Bewertung: 1 Punkt(e)

Scheidungskind

Es gibt Worte, die einen ein Leben lang begleiten, obwohl sie längst nicht mehr passen.

Scheidungskind ist so ein Wort.

Ich habe es nie abgelegt. Es ist einfach still geworden.

Früher dachte ich, meine Geschichte beginne mit der Trennung meiner Eltern. Heute weiß ich, dass sie dort nur eine scharfe Kurve nahm.

Ich habe Jahre damit verbracht, verstehen zu wollen. Wer ging. Wer blieb. Wer schuld war. Als gäbe es in Familien Urteile, die ein Herz zur Ruhe bringen könnten.

Meine Mutter blieb.

Mein Vater ging.

Ich blieb zwischen beiden.

Nicht als Ort. Als Zustand.

Ich wurde aufmerksam für Zwischentöne. Für das Schweigen nach einem Satz. Für den Blick aus dem Fenster, wenn jemand längst woanders ist. Ich lernte früh, dass Liebe nicht immer genügt und dass Anstand nicht immer Glück bedeutet.

Lange hielt ich das für eine Last.

Heute weiß ich, dass es auch eine Gabe ist.

Ich urteile langsamer.

Ich höre länger zu.

Ich glaube den einfachen Erklärungen nicht mehr.

Mein Vater suchte das Meer.

Meine Mutter hielt den Alltag zusammen.

Beide zahlten einen Preis.

Damals wollte ich wissen, wer recht hatte.

Heute interessiert mich etwas anderes: Ob sie Frieden gefunden haben.

Und ich?

Ich habe aufgehört, mein Leben als Fußnote ihrer Geschichte zu lesen.

Ich bin nicht das Kind ihrer Trennung.

Ich bin das Ergebnis meines eigenen Weges.

Die Scheidung meiner Eltern hat mich geprägt.

Aber sie hat mich nicht geschrieben.

Den letzten Satz meines Lebens schreibe ich selbst.

Jonas schrieb am 19.7. 2026 um 07:17:26 Uhr zu

Scheidungskind

Bewertung: 1 Punkt(e)

Dreizehn Kreuze

Jonas war einmal
ein gut behütetes Kind.

Zwei Kinderzimmer.

Zwei Geburtstagsfeiern.

Zwei Eltern,
die beide sagten:

Wir lieben dich.

Er glaubte ihnen.

Bis er merkte,
dass Liebe
nicht bedeutet,
zu bleiben.

Seitdem
rechnete er.

Nicht mit Zahlen.

Mit Verlusten.

Er lernte früh,
Koffer zu packen.

Später
lernte er,
Flaschen zu leeren.

Heute nennen sie ihn
den Penner
vor dem Bahnhof.

Niemand sieht,
dass er einmal
Klavierunterricht hatte.

Dass seine Mutter
darauf bestand,
dass er einen Schal trägt.

Dass sein Vater
ihm erklärte,
wie man einen Krawattenknoten bindet.

Jetzt bindet Jonas
höchstens
den Schlafsack zusammen.

Sein Zuhause
ist eine Betonplatte
unter der Brücke.

Sein Wecker
ist die Straßenreinigung.

Seine Nachbarn
wechseln häufiger
als die Jahreszeiten.

Nur Elke
bleibt.

Elke schläft
drei Bögen weiter.

Sie sammelt Pfandflaschen,
raucht filterlose Zigaretten
und nennt Jonas
noch immer
beim Namen.

»Du warst doch mal
einer von denen,
die geschniegelt
zur Arbeit gingen

Jonas nickt.

Er erzählt ihr nicht,
dass er sich
an den Moment,
als alles kippte,
gar nicht erinnern kann.

Er erinnert sich nur
an das Gefühl,
ständig
etwas verlieren zu können.

Ein TOTO-Schein
liegt zerknüllt
zwischen zwei Bierdosen.

Dreizehn Spiele.

Kein einziger Treffer.

Jonas lacht.

»Passt«, sagt er.

»War früher
mit meinem Leben
auch nicht anders

Elke hebt den Schein auf,
streicht ihn glatt
und steckt ihn
in ihre Jackentasche.

»Weißt du«,
sagt sie,

»manche verlieren
nicht,
weil sie falsch tippen.

Manche spielen
ihr ganzes Leben
in der Hoffnung,

dass diesmal
endlich jemand bleibt

Jonas schaut
auf die Schienen.

Ein Zug fährt vorbei.

Für einen Augenblick
glaubt er,
er könne noch hören,
wie seine Mutter ruft.

Oder seinen Vater.

Dann ist nur noch
das Rattern da.

Und der Durst.

Bis heute
weiß Jonas nicht,
wann aus einem
gut behüteten Kind
ein Mann wurde,
der auf einer Platte schläft.

Er weiß nur,

dass manche Abstürze
nicht mit einem großen Knall beginnen.

Sondern mit einer Tür,

die sich schließt,

und einem Kind,

das glaubt,

es müsse von nun an
alles allein
aushalten.

Angie schrieb am 17.7. 2026 um 08:00:11 Uhr zu

Scheidungskind

Bewertung: 1 Punkt(e)

Ihr habt euch scheiden lassen.

Das ist euer gutes Recht.

Aber hört auf zu behaupten, Kinder würden das schon verkraften.

Kinder verkraften gar nichts.

Sie lernen nur, mit dem Schmerz zu funktionieren.

Ihr habt zwei neue Leben angefangen.

Ich habe keins angefangen.

Ich musste eures weitertragen.

Ihr habt entschieden.

Ich habe die Folgen geerbt.

Einer ging.

Eine blieb.

Und ich sollte dankbar sein, weil ihr euch beide Mühe gegeben habt.

Mühe.

Was für ein erbärmliches Wort.

Ich wollte keine Mühe.

Ich wollte Eltern.

Ihr habt euch getrennt.

Aber ihr habt mich zu eurem Grenzgebiet gemacht.

Ich sollte verstehen.

Vermitteln.

Verzeihen.

Still sein.

Nicht noch mehr Probleme machen.

Kinder werden viel zu früh vernünftig.

Weil Erwachsene sich den Luxus leisten, es nicht zu sein.

Heute sagt ihr, ihr hättet euer Bestes gegeben.

Vielleicht stimmt das.

Vielleicht war euer Bestes einfach nicht gut genug.

Das ist der Satz, den sich niemand auszusprechen traut.

Ich schon.

Denn ich bin lange genug mit euren Erklärungen aufgewachsen.

Jetzt lebt mit meiner Wahrheit.

Sie lautet:

Ich habe euch geliebt.

Mehr, als ihr eure Verantwortung füreinander geliebt habt.

Und diesen Preis musste nicht ich bezahlen.

Ich habe ihn trotzdem bezahlt.

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