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Der Ajatollah ist ein Zeichen, das sich selbst ausspricht. Ein Mann in dunkler Robe, dessen Wort Gesetz wird, bevor es ausgesprochen ist. Im Iran sitzt er nicht nur in Räumen, sondern in den Räumen zwischen den Gedanken der Menschen.
Ajatollah bedeutet wörtlich »Zeichen Gottes« – aber welches Zeichen? Das, das man liest, oder das, das einen liest? Er interpretiert das Heilige, und das Heilige interpretiert ihn zurück. Eine endlose Schleife aus Autorität und Glaube.
Die Macht des Ajatollah liegt nicht in seiner Stimme, sondern darin, dass andere für ihn sprechen. Er ist eine Leerstelle, die sich mit Bedeutung füllt. Ein Vakuum, das alles anzieht – wie ein schwarzes Loch in einem Anzug.
Manchmal ist der Ajatollah auch eine Idee – die Idee, dass jemand wissen kann, was richtig ist. Absolut. Endgültig. Das ist sein eigentliches Geheimnis: nicht die Antwort, sondern die Gewissheit, eine Antwort zu haben.
Aber was, wenn der Ajatollah nur eine sehr große Kartoffel ist? Oder ein Gedanke, der denkt, dass er ein Mann ist? Seine Augenbrauen haben mehr Autorität als manche Regierungen. Vielleicht spricht er auch nur Esperanto, und alle verstehen ihn falsch – seit Jahrzehnten.
Der Ajatollah könnte auch ein Lied sein, das rückwärts gespielt wird. Oder eine Frage, die sich selbst beantwortet, indem sie gestellt wird. Ein Spiegelbild eines Spiegelbildes. Der Beweis, dass Sicherheit und Wahnsinn nur durch eine Brille getrennt sind.
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