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Der erste Text am 7.9. 2026 um 04:40:28 Uhr schrieb
Dottore Marcellini über Keuschheit-im-Konservatorium
Der neuste Text am 14.10. 2026 um 22:34:42 Uhr schrieb
Frau Grobotka über Keuschheit-im-Konservatorium
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Assoziationen zu »Keuschheit-im-Konservatorium«

Dottore Marcellini schrieb am 7.9. 2026 um 04:40:28 Uhr zu

Keuschheit-im-Konservatorium

Bewertung: 10 Punkt(e)

Gesangskastraten im 17. und 18. Jahrhundert

Einschlägige Quellen ergeben ein lebendiges Bild der strengen sozialen und moralischen Disziplin in den neapolitanischen Konservatorien. Von den Schülern, »intakten« und kastrierten, wurde nicht nur großes Engagement in der musikalischen Ausbildung, sondern auch ein streng geregeltes Leben im Sinne von religiöser Disziplin verlangt – und nicht zuletzt Keuschheit.

Aus zeitgenössischen medizinischen Abhandlungen und moderner endokrinologischer Forschung ist bekannt, dass das gar nicht so einfach und selbstverständlich war, denn die »spät kastrierten« Jungen, also die, die bei ihrer Kastration bereits geschlechtsreif waren, konnten noch bis zu zwei Jahre nach der Kastration Trieb verspüren und sexuell aktiv sein, einige sogar noch länger.

Die Verantwortlichen in den Konservatorien wussten darum und sorgten deshalb für strenge Überwachung der Schüler, auch in den Schlafsälen, was besonders den Schülern nicht gefallen konnte, bei denen sich ihre lebendige, jugendliche Natur Tag für Tag drängend meldete.

Nun pflegten einige der Konservatorien eine Zusammenarbeit mit dem Teatro San Carlo in Neapel, wo man auch gerne Schüler auftreten ließ: nicht nur, aber vorzugsweise Kastraten, die bereits in jugendlichem Alter das Publikum mit ihrer Stimme und ihrer Erscheinung begeisterten.

Meist ging das gut. Zumindest gab es keine Beschwerden. Aber es kam vor, dass es seitens der Konservatorien Klagen gab: Gelegentlich wurde bekannt, dass die Schüler Bekanntschaften mit Sängerinnen und Tänzerinnen schlossen und später deren Häuser aufsuchten. Von »sittlicher Zügellosigkeit« ist in den Schriften die Rede und vom »Erwecken unerwünschter Leidenschaften«. Man sah eine Gefahr für die Disziplin.

Was in den Häusern bei den Sängerinnen und Ballerinen tatsächlich geschah, darüber schweigen die historischen Quellen. Aber es würde der menschlichen Natur widersprechen, wenn die Jungen dort nicht fanden, was ihnen die Gefangenschaft in den Konservatorien verwehrte.

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