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Schömbergs Wohnzimmer war konventionell strukturiert. Es gab eine Eß- und eine Couchecke, und dann stand da noch - direkt am Fenster - Schömbergs Schreibtisch. Zuhause in seinem Arbeitszimmer hatte Schömberg dort in der Tat recht viel gearbeitet. Das wußte man im Haus, und Reimann, Schömbergs Chef, hatte ihn »auf Widerruf« von seiner Anwesenheitspflicht insofern befreit, als daß sich Schömberg jederzeit schon am frühen Nachmittag nachhause zurückziehen konnte - mit einer prall gefüllten Aktentasche. Jetzt war der Schreibtisch im wesentlichen der Computertisch. Schömberg klickte sich durch die homepages der überregionalen Presse, der Fernsehsender. Er klickte sich, während draussen trübes Herbstwetter zäh und kalt dahinfloss, durch die Wikipedia. Oft saß er noch spätabends am Computer - und wie fast alle landete er irgendwann auf den Sexsites. Zuhause hätte er nach sowas ja nie gucken können. Er wußte nur zu gut, daß seine Frau schnüffelte - und überhaupt: was sollten die Kinder denken ?! Und so nahm Schömberg, dessen Libido durch seine erfolgreiche Wasserkur sich ebenfalls wieder gemeldet hatte, verblüfft zu Kenntnis, was es im 21. Jahrhundert alles so gibt, im Netz. Kaltwasseranwendungen führen im wesentlichen zu einer Verbesserung der Hautdurchblutung. Und da auch die männlichen Geschlechtsteile im wesentlichen aus Hautgewebe bestehen, bzw. sich aus ihm entwickelt haben, und mit ihm in enger Verbindung stehen, nehmen sie an dieser stark verbesserten Durchblutung in besonderem Maße teil. Das merkte auch Schömberg irgendwann ganz deutlich.
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