Einige überdurchschnittlich positiv bewertete
Assoziationen zu »Schömberg«
ruecker42 schrieb am 15.5. 2011 um 23:56:59 Uhr zu
Bewertung: 4 Punkt(e)
Am Sonntagmorgen beschloß Peters, an die frische Luft zu gehen. Er hatte nun seit über 48 Stunden nicht geschlafen und er kannte diesen Zustand zur Genüge - auf dem Boden sitzen und Löcher in die Luft starren. Das ziellose Schlendern durch die Straßen und Gassen, so hoffte er, würde seine rasenden Gedanken zur Raison bringen. Ein Teil seines Kopfes war unbeteiligter Beobachter, der sich das Theater im anderen Teil ansah, dort ging es (wieder einmal) um die Entstehung und das Vergehen der Welt, und nichts geringeres. Bevor er die Wohnung verließ, schaute er sich im Spiegel an. »Geben sie Gedankenfreiheit, Sire« murmelte er seinem Gegenüber zu und brach auf.
Sein Weg führte ihn diesmal schließlich ans Flußufer, er setzte sich auf eine der Bänke an der Promenade. Ein Mann durchsuchte die Papierkörbe, die neben den Bänken aufgestellt waren. Peters staunte über die Routine, die der Mann, er mochte Mitte 50 sein, dabei an den Tag legte. Als er an seiner Bank ankam, nickte er Peters kurz zu, warf einen kurzen Blick in das leere Behältnis und ging weiter. Peters schaute ihm lange hinterher, dabei nickte er schließlich ein.
Die Leiche schrieb am 5.5. 2011 um 18:50:32 Uhr zu
Bewertung: 3 Punkt(e)
Wenn Briefe vom Gericht kamen, oder von seinem Anwalt - dann blieben sie oft tage- oder gar wochenlang ungeöffnet liegen. Schömberg hatte keine Kraft mehr für das ewige Bestreiten, die Beantragung und Anordnung von Begutachtungen, die Einlegung von Rechtsmitteln, Terminsverlegungen und Fristverlängerungen. Seit zwei Jahren schleppten sich die Verfahren hin. Das Sozialgericht sollte über seine Erwerbsunfähigkeitsrente befinden, das Landgericht über seine private Berufsunfähigkeitsversicherung, aus der er laut Vertrag eine Rente von 2.500 € beziehen sollte. Man hatte ihm einen Vergleich angeboten: erst 10.000, dann 15.000 €. Da hätte er jetzt etwas davon, sagte man ihm unverblümt. Ob er den Ausgang eines Rechtsstreits bis zum bitteren Ende noch erleben werde, sei dagegen unsicher. Der Gutachter, den das Sozialgericht beauftragt hatte, teilte unterdessen - nach über einem Jahr Stillschweigen - mit, daß er in Anbetracht seiner Überlastung vor Ablauf von 12 - 15 Monaten keine Bearbeitung, erst recht keine Untersuchung Schömbergs vornehmen könne. Einen anderen Gutachter zu beauftragen, hatte das Gericht abgelehnt. Die übrigen infrage kommenden Gutachter, so schrieb das Sozialgericht, seien mindestens ebenso überlastet.
Die Leiche schrieb am 30.5. 2011 um 07:13:40 Uhr zu
Bewertung: 2 Punkt(e)
Schömberg betrat den Sitzungssaal mit Herzklopfen. Über zwei Stunden hatte er auf dem beängstigenden Flur des Justizzentrums warten müssen. Zu gerne wäre er mal vor die Tür gegangen, eine Zigarette rauchen - aber er hatte sich nicht getraut. Als er aufgerufen wurde, war er einerseits erleichtert, daß es endlich losgehen würde, andererseits verspürte er einen Kloß im Hals und wie seine Handflächen feucht wurden. Links saß Berresheim mit seinem Verteidiger, daneben eine elegante, sonnenbanksgebräunte Frau Anfang Dreissig, rechts der Staatsanwalt, den Schömberg schon von seiner ersten Vernehmung her kannte. Der Vorsitzende, ein älterer, distinguiert wirkender Herr, hieß ihn Platz nehmen, und begann, ihn zu befragen. Sehr ausführlich widmete er sich Schömbergs Krankheit, seinen Lebensumständen. Das verwirrte Schömberg - das Ziel, den Zeugen »aufzulockern« wurde jedenfalls in diesem Falle verfehlt. Schömberg sah dem Vorsitzenden fest in die Augen. Er hatte sich dagegen vorgenommen, Berresheim nicht in die Augen zu sehen. Er war, das hatte Schömberg zu Beginn der Verhandlung mitbekommen, in Handschellen aus der Untersuchungshaft vorgeführt worden. Berresheim war so blöd gewesen, nach der Hausdurchsuchung bei ihm in die Schweiz zu fahren, und das Ticket von Zürich nach Sidney von seinem Reisebüro um die Ecke zu buchen.
Die Leiche schrieb am 23.5. 2011 um 10:08:08 Uhr zu
Bewertung: 2 Punkt(e)
Schömberg kam von einem seiner langen Spaziergänge zurück, während dessen er nackend durch die Wiesen lief, und im Fluß badete. Es war am späten Nachmittag gewesen, und Schömberg wunderte sich nicht, daß sein Sohn Lars zuhause war. Das Wetter war nicht allzu gut, der Himmel bedeckt. Und Schömbergs Sohn Lars saß an Schömbergs Schreibtisch, an Schömbergs Computer. Er war nackt und fummelte an sich herum, während er auf die Übertragung der Webcam eines anderen jungen Mannes schaute. Auch die Webcam an Schömbergs Computer war aktiv, erkenntlich an der Leuchtdiode. Schömberg war konsterniert darüber, daß sein Sohn Lars im wortwörtlichen Sinne unverschämt einfach nur »Hi Dad !« sagte und »Geile Seite !« Erst als er die Verlegenheit seines Vaters registrierte, der sich wortlos in die Küche zurückgezogen hatte, beendete Lars Schömberg seine Tätigkeit, schlüpfte wieder in seine Boxershorts und schaute, wie um Entschuldigung heischend, in die Küchentür. Schömberg machte sich an der Spüle zu schaffen. »Wenigstens ein Handtuch hättest Du unterlegen können !« Schömberg versuchte sich an einem Grinsen. Es war ihm in den wenigen Minuten in der Küche klargeworden, daß er keinerlei Grund hatte, seinem Sohn genau das Verhalten vorzuwerfen, daß er selbst seit einigen Monaten regelmässig an den Tag zu legen pflegte. »Mach ich das nächste Mal ! Versprochen !« Auch Lars Schömberg grinste. Dann wandten sich Vater und Sohn der naheliegenden Abendessenfrage zu.
Die Leiche schrieb am 16.5. 2011 um 10:41:24 Uhr zu
Bewertung: 2 Punkt(e)
Schömbergs Tochter Angela war - nach einigen Wochen - in seiner neuen, kleinen Wohnung zu Besuch gewesen. Sein Verhältnis zu seiner Tochter war schon »zuhause« nicht sonderlich gut geworden. Er schob es auf die Pubertät, die ja bei jungen Mädchen ganz besonders schlimm sein kann. Schömbergs Frau war da anderer Meinung, was die Ursachen anbelangt - jedenfalls ging man sich aus dem Weg. Nun war Angela Schömberg in seiner kleinen Wohnung, inspizierte Küche und Badezimmer, wischte hier und da (recht unsorgfältig), und erbot sich, Einkäufe zu erledigen. Ihr Betragen war eine merkwürdige Mischung von Pflichtbewußtsein, Unmut und Beflissenheit, hinter der jedoch der Wunsch zu erkennen war, von Schömberg für diese Gefälligkeiten Geld zu erhalten. Daß Schömberg seine Tochter statt mit dem erhoften 50-Euro-Schein mit einer kleinen Erörterung seiner äusserst beschränkten Verhältnisse entlies, führte zu einer langmonatigen Sendepause bis zum nächsten Besuch seiner Tochter. Schömberg war nicht unglücklich darüber.
Die Leiche schrieb am 11.5. 2011 um 16:49:34 Uhr zu
Bewertung: 2 Punkt(e)
Der Einkauf von Toilettenpapier war Schömberg aus unerfindlichen Gründen sein Leben lang peinlich gewesen. »Zuhause« hatte das seine Frau erledigt, wenn er selbst in die Toilettenpapierbeschaffung involviert war, beeilte er sich, das längliche Paket möglichst unauffällig in den Kofferraum seines BMW zu bekommen. Nunmehr, als Schömberg in einer 65 qm-Wohnung »zuhause« war, mußte er nolens volens das Papier selbst einkaufen und zu Fuß transportieren. Es gab da zwar, wie Schömberg erfreut registrierte, einen sinnreich in die Packung einkonstruierten Griff - aber die Peinlichkeit, mit einer 10-er Packung Toilettenpapier über die Strassen zu gehen, ließ Schömbergs ohnehin labilen Kreislauf noch stärker trudeln. »Ey guck mal ! Rosa Klopapier !« Schömberg war an der Kreuzung der Wiesenstrasse in ein Rudel pubertierender Jugendlicher beiderlei Geschlechts geraten. »Das heißt nicht rosa, das heißt pink ! 10 Rollen ey ! Was für ein Scheisser !« Vor dem albernen Gelächter und Gekichere der bierflaschentragenden Halbwüchsigen wäre Schömberg am liebsten im Boden versunken.
Die Leiche schrieb am 21.5. 2011 um 00:25:19 Uhr zu
Bewertung: 2 Punkt(e)
Schömberg ging einen Kellergang entlang. Es war der Gang der Tiefgarage. Schömberg wunderte sich - er hatte diesen Gang kürzer in Erinnerung, aber jetzt war er unglaublich lang und düster. Die Beleuchtung war wohl im Arsch wieder mal. Er ging und ging, und kam an eine blaue Stahltür. Er blieb unwillkürlich stehen. Die Stahltür ging auf, und da stand Reimann, sein oberster Chef, mit seiner - Schömbergs - Tochter Angela im Arm. Und da bemerkte Schömberg, daß er nackt war. Seine Tochter Angela sagte »Hallo Dad !« und lachte. Reimann grinste. Schömberg fühlte das Blut ins Gesicht schiessen, und wollte weglaufen. Aber er kam nicht vom Fleck. Reimann lachte, Angela lachte, und Schömberg war nackt, und kam einfach nicht weg ! Er war schweissgebadet, als er aufwachte. Auch eine Flasche Bier, die Schömberg in der Küche trank und eine Zigarette halfen nicht - er würde eine Tablette nehmen müssen. Es war kurz vor vier morgens.
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