Manchmal... von Regula Erni / 5. September 2001 Manchmal gehen die Pferde mit mir durch manchmal erinnert ein Duft an vergessen geglaubte Zeiten manchmal tritt jemand über meine Schwelle und errät meine Gedanken manchmal leuchtet ein Wort aus dem Dunkeln, das einmal lebendig war und lässt die Jahre auf die Dauer eines Wimpernschlags schrumpfen manchmal endet der Tag in einem Satz manchmal fallen Menschenleben ins Glas der Sanduhr manchmal wiegt eine Feder genau so schwer wie ein Klumpen Blei manchmal irrlichtern Nebelschwaden über den Fluss manchmal tanzen Sonnenstrahlen über alternden Schmerz manchmal legt sich ein Lächeln zwischen die Buchseiten manchmal zählt einer die durchwachten Stunden manchmal pflücken wir Sterne vom Himmel, messen das Land ab und setzen ein Zeichen manchmal fliehen die Meridiane in verwildernden Wermut manchmal peitscht der Wind Worte über die stürmischen See manchmal fallen Nachtschatten auf sonnige Tage manchmal fliessen stehende Gewässer plötzlich rückwärts manchmal blüht der Weinberg im Winter manchmal fliehen Blütenblätter himmelwärts manchmal wendet sich ein Blatt und fällt vom blutleeren Ast manchmal blähen sich windmüde Segel in der Stille vor dem Sturm manchmal finden sich eingebrannte Finger in einem irdenen Krug manchmal gibst du mir die Hand und nimmst die meine als Pfand manchmal rudern wir durch ein Wintermärchen als ob es Sommer wär manchmal tragen meine Gedanken einen Stein hinters Jahr manchmal durchbrechen wir den Bannkreis und stehlen uns Zeit zur Unzeit manchmal...