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Es steht zwar nicht im Gesetz, aber Selbstmord ist bei uns verboten, genau wie das Sterben selbst. Man darf sich nicht entscheiden, sein Leben zu beenden, denn man darf vorher nicht darüber sprechen, ohne Leute unter Druck zu setzen und alle Pferde scheu zu machen. Außerdem käme man in diesem Fall in die Psychiatrie und würde für ein paar Wochen unter Drogen gesetzt, bis man einigermaßen entspannt ist. Wie man glücklich wird, können sie einem auch nicht sagen, aber Verzweiflung ist verboten. Wer Selbstmord begeht, kann dabei nicht den Schaden für andere begrenzen; er/sie ist gezwungen, eine Tragödie heraufzubeschwören.
Auch die Leute, die sowieso sterben, die so totkrank sind, daß sie nicht mehr wissen, wer sie sind, dürfen nicht sterben.
Auch im 21. Jahrhundert hat sich noch nicht herumgesprochen, daß der Tod unvermeidlich zum Leben gehört. Er wird verleugnet, verdrängt und geächtet. Ganz schön arrogant, den Tod zu verbieten - dieser menschliche Größenwahn erinnert irgendwie an Babel.
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