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Ich frage mich oft, wie man Weihnachten ohne Schnee feiern kann, z.B. in Australien oder Florida. Dem Stress der Weihnachtszeit mit den ganzen Menschen, die sich in den Innenstaedten um die Buden des Weihnachtsmarktes schaaren, moechte ich oft enfliehen. Aber auf den Schnee verzichten? Nein, niemals!
Vergessen wir einmal den Christmist dieses in vielen Kulturen verbreiteten Sonnenwendfestes: Die Symbolkraft von Weihnachten liegt in der Art, wie es alle Sinne anspricht.
Fuer die Augen gibt es Rot und Gruen, einen der kraeftigsten Kontraste.
Fuer die Ohren gibt es (sobald man das Dauergedudele von »Stille Nacht, heilige Nacht« einmal beiseite laesst) die wunderbarsten Oratorien.
Fuer die Nase gibt es Tannenduft, Weihrauch und Zimt.
Fuer den Gaumen gibt es Braten oder Forelle. Auch der Tastsinn kommt nicht zu kurz.
Gibt es ein Fest, das unsere Sinne umfassender anspricht? Gibt es ein Fest, das intensiver durch alle unsere Wahrnehmungspforten in uns einzudrigen vermag? Man muss nur seine Sinne oeffnen.
Selbst die billigen Zigarren des Tannenbaum-Verkaeufers riechen anheimelnd inmitten der Koniferen, die er den Frauen zur Begutachtung vorhaelt.
Ich mag Weihnachten; das Weihnachten, das jenseits der gestressten und gehetzten Menschenmassen, jenseits des Konsumterros, jenseits der Fressorgie, jenseits der christlichen Verbraemung darauf wartet, unsere Herzen anzuruehren. Sinnlos gewordene Traditionen gibt man schnell auf. Wenn Weihnachten wirklich so sinnentleert ist, wie hier viele behaupten, dann frage ich mich, wieso wir es noch nicht abgeschafft haben (wie etwa den Buss- und Bettag vor geraumer Zeit)!
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