Blutsauger der Bienen Wie Milben die Honigsammler und ihre Brut in Lebensgefahr bringen Celle - Die Bienen sind bedroht: Der Parasit Varroa befällt die Völker - und wird immer resistenter gegen die Medikamente, die die Honigbiene vor ihm schützen sollen. Die Folge: Viele Bienen werden verkrüppelt geboren, ganze Völker sterben aus. "Das Problem hat sich in den letzten Jahren überall in Deutschland verschärft", warnt Werner von der Ohe, Leiter des Niedersächsischen Landesinstituts für Bienenkunde in Celle. Die Varroa-Milbe wurde 1977 zum ersten Mal in der Bundesrepublik entdeckt. Der 1,6 Millimeter kleine Parasit stammt aus Südostasien. Die Bienen dort kamen mit ihm zurecht - aber nicht die europäischen Honigbienen. So frisst sich Varroa durch: Der Schmarotzer klammert sich an die Biene und durchschneidet mit seinen Mundwerkzeugen den Bienenkörper wie eine Konservendose. Dann saugt er der Biene das Blut aus. Große Schäden fügen die Milben der Bienenbrut zu. In einem Volk, das von Varroa befallen ist, entstehen verkrüppelte Tiere ohne Flügel. Je mehr Parasiten im Stock leben, desto schwächer werden die Honigsammler. Besonders gefährlich: Der Befall geht oft mit tödlichen Viruserkrankungen für die Bienen einher. Experten schätzen, dass es in Deutschland kein einziges varroafreies Bienenvolk mehr gibt. Um das Sterben zu stoppen, behandeln Imker ihre Völker mit Medikamenten wie zum Beispiel Ameisensäure. Doch jetzt droht sogar diese Maßnahme zu versagen. Von der Ohe: "Die Milben können resistent gegen diese Mittel werden. Das hat dramatische Folgen." So wie vergangenes Jahr in Baden-Württemberg: Dort gab es kaum einen Imker, dem kein Bienenvolk zu Grunde gegangen ist. Auch im Raum Hamburg war es ein schlechtes Jahr. "Schätzungsweise bis zu 20 Prozent der Völker sind wegen Varroa eingegangen", sagt der Bienenkundler. Rettung bringt vielleicht die Wissenschaft. Das Landesinstitut versucht, Honigbienen zu züchten, denen die Milbe nichts anhaben kann. "Wir arbeiten seit fünf Jahren daran. Wir sind noch lange nicht am Ziel, aber mit jedem Jahr kommen wir ein Stückchen weiter", sagt von der Ohe. Und der Honig? Der ist nicht in Gefahr. Dieses Jahr ist die Ernte von Raps-, Ahorn- und Obstblütenhonig zwar etwas spärlich ausgefallen. Aber das lag angeblich nur am kalten Frühjahr.