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Ein Netzfundstück:
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Die Persiflierung westlicher Schlager war bis in die 60er Jahre hinein ein beliebtes Stilmittel der DDR-Propaganda. Vom Conny-Froboess-Hit »Pack‘ die Badehose ein« kursierten in der DDR gleich drei verschiedene Versionen: das Original, die »überregionale« Fassung, in der die Textzeile »nischt wie ‘raus zum Wannsee« ersetzt wurde durch »nischt wie ‘raus ins Strandbad« – und schließlich die hier vorgestellte Aufnahme mit der Kabarettistin Gina Presgott. Damals gehörte sie zum Ensemble der Ost-Berliner »Kleinen Bühne« und wechselte wenig später in das Gründungsteam der »Distel«.
Politischer Hintergrund dieses Titels ist der am 26.05.1952 zwischen den Westmächten und der Bundesrepublik unterzeichnete Deutschlandvertrag (»Generalvertrag«), der das Besatzungsstatut aufhob und der Bundesrepublik die Souveränität verlieh. Von der SED-Propaganda wurde er als »Generalkriegsvertrag« diskreditiert.
Zudem liefert diese Aufnahme ein Beispiel des östlichen Anti-Amerikanismus, der sich damals bevorzugt an den in West-Berlin stationierten GIs entlud – von den DDR-Medien in jenen Jahren grundsätzlich als schießwütige Kulturbarbaren dargestellt.
Komposition: Gerhard Froboess
Text: unbekannt
Gesang: Pina Presgott
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Wenn das Thermometer steigt,
und fast 30 Grad anzeigt,
ja dann zieht man aus Berlin
zum Strand vom Wannsee hin.
Kinder ist das ein Gewühl,
Oma kaut ein Eis am Stiel,
und die Planscherei,
doch damit ist’s jetzt vorbei:
Schließ‘ die Badehose ein,
laß das Baden lieber sein,
denn der Ami schießt am Wannsee.
Wenn die Sonne strahlend scheint
und das Schwesterchen auch weint
fahre bloß nicht an den Wannsee.
Ich kann schießen, sagt der Ami,
wie ich will und wo ich mag,
das erlaubt mir Adenauer
ja im Generalvertrag.
Kinder, woll’n wir doch mal sehen,
ob, wenn wir zusammenstehen
nicht die Amis eines Tages baden geh’n.
Will man sich erholen geh’n,
sieht man bloß Kanonen steh’n.
Und die Ami-Flinte knallt in uns’rem Grunewald.
Wer zum Strand will, ist entsetzt,
denn da sitzt der Ami jetzt
doch wir ham‘ parat,
für die Brüder einen Rat:
Pack‘ die Panzerwagen ein,
leg‘ paar Steine noch mit 'rein.
Und dann rin damit, in‘ Wannsee.
Denn wir pfeifen auf das Glück,
auf 'ne Kugel im Genick.
Wir woll’n Frieden – auch am Wannsee.
Schließlich zieh’n wa‘, wenn wa‘ baden,
keene Panzerwesten an.
Denn Berlin ist nicht Chicago,
unser Bert, kein dritter Mann.
Keine Sorge, Hans und Klaus,
pack‘ die Badehose aus.
Ami geh‘ nach Hause,
mensch, sonst flieg’ste 'raus.
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