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tootsie schrieb am 12.7. 2006 um 16:10:18 Uhr über

mitleid

Als Kind konnte ich noch mitfühlen. Nach einem Fernsehbeitrag über aidskranke Kinder in Rumänien musste ich heulen. War ich sechs, sieben oder acht? Ich weiß es nicht mehr genau. Ich weiß nur noch, dass ich in dem Abendhimmel überm Sportplatz geguckt und bitterlich geweint habe.

Es fällt mir leichter, mit Tieren zu fühlen als mit Menschen. Vielleicht, weil ihr Leid mich noch unmittelbar berühren kann. Was würde geschehen, wenn ich Zeuge eines Unglücks würde? Wäre ich in der Lage zu helfen? Auf jeden Fall. Ich bin schon mehrmals über meinen eigenen Schatten gesprungen, um Menschen - ausgerechnet Menschen! - zu helfen: ich habe einen umgefallenen Säufer auf die Beine gezerrt und Verstärkung gerufen. Mein Gott, war dieser Mann schwer... Ein anderes Mal sind ein paar Jugendliche aus er Straßenbahn über einen Jungen hergefallen und haben ihn übel verdroschen. Seine Lippe war geplatzt und er hat geblutet wie ein abgestochenes Schwein. Die Passanten haben weggeschaut, und die Jugendlichen sind wieder in die Straßenbahn gesprungen. Die Szene hat etwa zehn Sekunden gedauert. Ich habe mich um den Jungen gekümmert, versucht, ihn zu beruhigen und mit ihm auf seine Freundin gewartet. Wochen später musste ich auf dem Revier eine Aussage machen. Die Assis sind wohl nie gefasst worden, obwohl überall in der Stadt diese verfluchten Kameras aufgehängt sind.

Was war das? Mitleid? Zivilcourage? Ich habe keine Ahnung.


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