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Am Begriff des Naturrechts haben schon mehr sensible und kluge Köpfe ihren Verstand eingebüßt als an den Paradoxen der Philosophie und Logik.
Fast immer ist Naturrecht mehr behauptet als erkannt und mehr gewünscht als geltend. Es gibt bis heute im Internet eine Gemeinde, die fest davon überzeugt ist, im Besitz eines besonderen moralischen Wissens darüber zu sein, was richtig und was falsch ist. Diese Leute nenne sich, glaube ich, »Libertäre«. Sie sind die letzten, einsamen Anhänger des Naturrechts und verstehen dabei häufig nicht, dass ihre Tradition eine aristotelische war und Aristoteles heute nur noch von historischen Interesse ist.
Einmal habe ich gelesen, wie so ein Typ (oder eine Typin) versucht hat, eine Axiomatik der Moral aufzustellen. Von allen Dingen, die keine axiomatische Herangehensweise vertragen, ist die Moral diejenige, die es einem am Übelsten nimmt. Das ist auch der Grund, warum irgendwelche Rotbärte und dergleichen sich in ihren Büchern abmühen müssen, die _Sklaverei_ als unethisch zu beweisen, während der völlig normale Durchschnittsmensch des 20. oder 21. Jahrhunderts der Gedanke, _Sklaverei von allen Dingen_ könnte legitim sein, ungefähr so absurd erscheint wie den Mord zu entkriminalisieren. Wenn man jedoch erstmal die Vertragsfreiheit und den eigenen Willen absolut setzt, dann hat man eine Heidenmühe zu begründen, wieso gewisse Verträge kategorisch ungültig sein müssen.
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