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„Nein, mein Freund!“ sprach sie mit Ihrer hellen, klangreichen Stimme, stand auf, lehnte sich über ihn und drückte sein Haupt, wie beruhigend, an ihre Brust. – „Ich sehe ein, daß Du nicht anders kannst. Der Mensch macht seine Gesinnung nicht, und auch nicht seinen Glauben; die Umstände und das Leben entwickeln Beides in ihm und er muß hinnehmen, was sie ihm bringen. Deine Ueberzeugung soll Dir heilig sein. Folge ihr! Ich liebe Dich darum erst recht, auch getrennt, auch noch so ferne von Dir, selbst über das Grab hinaus. Glaubst Du denn, daß Du nur darum für mich Werth hattest, weil ich einst Amt und Brot mit Dir zu theilen gedachte? Nein, August, so klein darfst Du von mir nicht denken! Das Bild meines Aelternhauses schützt mich auf ewig davor, eine Existenz hinzunehmen, die nicht die höchste Gesinnung begleitet. Ich will Dich achten können, August; ich will Deinen Menschenwerth durch nichts verringert sehen, sei es, was es sei, und mag Dir sonst begegnen, was da will, mag ich Dich nie wiedersehen, immer noch werde ich das Glück im Herzen tragen, das Ideal meiner Jugend rein mir zu bewahren.“
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