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Archibald Macleish (geh. 1892)
FORDERUNG DIESER ZEIT
Von uns wird gefordert, die Grenzen zwischen den Jahrhunderten zu erkennen. Und uns ein Herz zu fassen und überzusetzen.
Diejenigen, die aus Unwissenheit zwischen den Grenzen fielen, diejenige" die hintrotten wie Vieh und umgebracht wurden, diejenigen, die getötet und in den steinigen Halden zwischen Geschichte und Geschichte liegengelassen wurden, - die alle mögen bemitleidet werden wie man die Opfer eines Unglücksfalles bemitleidet, aber ihr Tod ist ohne Bedeutung. Man wird sie weder begraben noch sich sonstwie er innern. Sie liegen im toten Gras, im trockenen Holz, im vergehenden Licht. Ihren Jahren setzt keiner ein Denkmal.
Hier in dem Sand liegen viele von ihnen, - viele, die nichts davon merkten, die dachten, die Zeit ginge weiter, die Jahre schritten voran, die Geschichte risse nicht ab, - die dachten, morgen wäre wie heute. Viele, die an die Grenzen zwischen den Zeiten kamen und sie nicht erkannten, die sich umsahn nach dem Unterschlupf an der steinernen Brücke, nach der Brustwehr zwischen den Bäumen und der Erklärung in zweierlei Sprache, der Warnung und der Gelegenheit umzukehren. Sie sind tot, hier in dem fallenden Licht, unter dem brüchigen Zaun.
Von uns wird gefordert, daß wir erkennen -
ohne ein Wort, ohne Zeichen, auf radspurzerriebenen
Wegen, Spuren im Staub und der Staub von Winden
zerweht: die Wege, die in unserm Rücken beginnen und enden in Staub.
Von uns wird gefordert, die Grenzen dort zu erken-
rien, wo die Wege zu Ende sind.
Wir sind sehr weit. Wir sind an den Orten vorüber, wo morgens das Licht graut, wo der Geruch der Blätter erfrischt und sich im Osten das Grün lange Zeitält. Dort drüben sind die verworrenen Wege, Ge h@ütze, die Posten.
Freunde, von uns w ird gefordert, die Grenzen quer durch diese Geschichte zu erkennen und uns ein Herz zu fassen und: überzusetzen
- auszuharren und überzusetzen, zu erleben,
nichts als zu übe,leben
überzusetzen.
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