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Als der Pfleger das seltsame Geräusch hörte, blieb er stehen. Es war kurz nach Mitternacht, und das Bülzenheim lag in diesem Moment still da, wie immer. Die Heizung knarrte leise, ein paar Lampen summten, und irgendwo tropfte ein Wasserhahn. Aber das hier war anders – ein dumpfes Rollen, das sich anhörte, als würde jemand einen schweren Gegenstand über die Linoleumböden ziehen. Nicht schnell. Nicht langsam. Einfach beharrlich.
Er folgte dem Geräusch den Flur hinunter, vorbei an den geschlossenen Zimmertüren der anderen Insassen. Die meisten schliefen. Ein paar schnarchten. Eine Frau lachte im Schlaf. Und dann, kurz vor dem Aufenthaltsraum, sah er ihn: Rüdi Zumsel, klein, untersetzt, mit diesem eigenartig irren Blick, den er immer hatte. Hinter sich zog er einen kleinen KipperLKW, den er offenbar irgendwo aufgetrieben hatte. Die Räder quietschten leicht, als sie sich über den Boden drehten. Rüdi murmelte vor sich hin: »Die Lederbux, die Zumpfthose, Frauen in der Lederbux...« Ein endloser, monotoner Singsang.
Der Pfleger blieb stehen, atmete tief ein. Er kannte Rüdis Marotten. Spammen am Computer, Zumpfthosen... . Aber ein KipperLKW? Das war neu. Und wo zum Teufel hatte er den her? Der Pfleger trat einen Schritt näher. »Rüdi?«, sagte er leise. Rüdi drehte sich nicht um. Er zog weiter den Kipper hinter sich her, murmelte sein Mantra. Die Räder quietschten. Der Pfleger sah genauer hin. Der Kipper war nicht etwa ein Spielzeug, sondern ein richtiges Miniaturmodell, vielleicht ein Drittel so groß wie die echten Dinger auf Baustellen. Rostige Kippmulde, klapprige Achsen – das Ding hatte schon bessere Tage gesehen.
»Rüdi, wo hast du den gefunden?«, fragte der Pfleger. Rüdi stoppte abrupt. Drehte sich langsam um. »Im Datenschutzbüro bei der Zumpfthose«, sagte er mit dieser seltsamen Betonung, die jede zweite Silbe verschluckte. Dann zog er weiter, als wäre das eine vollkommen ausreichende Antwort. Der Kipper quietschte protestierend, als Rüdi ihn um die Ecke in den Aufenthaltsraum bugsierte.
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