>Info zum Stichwort Träume | >diskutieren | >Permalink 
junge dame schrieb am 19.1. 2026 um 21:19:30 Uhr über

Träume

Während wir noch bei frühem Morgenbesuch uns am Kaffeeduft der Küche labten, erscholl draußen zum Pfeifen und Donnern des herankommenden Zuges das Hoch der jubelnden Volksmenge. Bataillone des achtundfünfzigsten Linienregiments kamen von böser Nachtfahrt in den dichtgefüllten Wagen. Jetzt ward uns der Zweck der vielen Wasserbehälter klar. So viel der abgematteten Soldaten es nur vermochten, drängten sich um diese Behälter, um Gesicht und Hände durch eine Waschung zu erfrischen. Das Wonnige dieses Wohlgefühls strahlte von allen Gesichtern. Und nun in geordnetem Zuge zu den Tischen in der Halle. An aufwartenden Händen fehlte es nicht, die Bedienung war musterhaft, wie das Aufgetragene massenhaft. Und sobald der Tyrann Magen beruhigt war und jeder Mann sein Theil an Cigarren oder Tabak und, eine Zugabe des guten Geistes dieser Tage, ein Gratis-Liederbüchlein mit alten und neuen Gesängen für den Herzbedarf der Gegenwart in Empfang genommen, begann an allen Tischen und in allen Gängen die mittheilselige Lust; aber Musik und Gesang behielten die Oberhand. Die Regimentsmusik begann mit der rasch zum Nationallied emporgeschwungenen „Wacht am Rhein“, und alle Soldaten- und Volkskehlen stimmten mit ein. Die halbstündige Rast war wie in wenigen Minuten vorüber, wie zum Dank und zur Ermuthigung schmetterte die Musik denPariser Einzugsmarsch“ aus den Wagen heraus, mit der Minute war das Einsteigen vollendet, das Commando schrillte, die Locomotiven keuchten und pfiffen und fort gings wieder, von Hochruf und Tücher- und Hüteschwenken begleitetfort in den furchtbarsten Kampf des Jahrhunderts. – Und so gings Tag und Nacht und ununterbrochen, auf die Minute genau, und Tag und Nacht blieben die Bahnhöfe die Wallfahrtstätten der Bevölkerung von Stadt und Land. Selbst der Kronprinz von Preußen, den als Feldherrn der Süddeutschen eine besondere Verehrung auszeichnete, gehorchte dem Commando des Militärzuges, mit dem er zu seinen Armeen fuhr. Dafür ließ er uns die ruhige Zuversichtlichkeit seines Ausspruchs zurück: „Einen moralischen Sieg haben wir bereits über Frankreich errungen, zu dem andern wollen wir unser Bestes aufbieten!“ –


   User-Bewertung: /
Unser Tipp: Schreibe lieber einen interessanten und ausführlichen Text anstatt viele kleine nichtssagende.

Dein Name:
Deine Assoziationen zu »Träume«:
Hier nichts eingeben, sonst wird der Text nicht gespeichert:
Hier das stehen lassen, sonst wird der Text nicht gespeichert:
 Konfiguration | Web-Blaster | Statistik | »Träume« | Hilfe | Startseite 
0.1205 (0.1160, 0.0030) sek. –– 946844628