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ingo, am 3.7. 2002 um 00:36:43 Uhr
WasMachtEigentlich

der cockring?

Die höchst merkwürdige und ziemlich peinliche Geschichte mit dem Cockring - Sie wissen schon? - machte im Winter 1994/95 im Hamburger Schwulenviertel St. Georg die Runde.
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Die Story kursierte in der luxuriösen Männersauna »Dragon« ebenso wie im schicken »Bistrot des Artistes«, im plüschigen »Café Gnosa« wie in der Leder-Disko »Black«. Merkwürdig war nur, daß jeder, der die Geschichte erzählte, eine andere Quelle angab:
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Mal war der Gewährsmann »ein Freund von einem Freund in New York, mal «der Bruder eines Kollegen aus Lüneburg» - kurzum, die Geschichte hatte alle Züge jener «Wanderlegenden», wie ein Göttinger Ethnologe diese weltweit vagabundierenden Trivialmythen nennt, die er seit Jahren sammelt und in Bestsellern wie «Die Spinne in der Yuccapalme" veröffentlicht.
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Wo die Story mit dem Cockring ihren Ursprung hat, stellte sich ein halbes Jahr später heraus, als der Rowohlt-Verlag die »Tales of the City« des schwulen US-Kultautors Armistead Maupin in deutscher Sprache herausbrachte.
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In Band eins, auf Seite 294, unterhalten sich zwei Freunde über Cockrings: »Wozu ist so ein Ding denn überhaupt gut- »Ein Cockring? Mensch... wie soll ich das erklären? Es ist ein Stahlring mit... ungefähr so 'nem Durchmesser... obwohl, manchmal ist er auch aus Messing oder aus Leder... und den ziehst du über deine... Ausstattung.« - »Und wozu soll der Scheiß gut sein- »Damit steht er dir länger- »Hast du einen- »Oh Gott, nee... Ich kannte mal einen Kerl... einen wie aus dem Ei gepellten Börsenmakler... und der hatte permanent einen um. Aber davon war er schnell wieder geheilt
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»Was ist passiert- »Er mußte zu einer Konferenz nach Denver fliegen, und sie haben ihn drangekriegt, als er auf dem Flughafen durch den Metalldetektor marschiert ist- »Oh Gott! Was haben sie gemacht- »Sie haben seinen Koffer aufgemacht und seine schwarzen Lederchaps gefunden
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Irgendein Leser der US-Originalausgabe der »Stadtgeschichten« hat, so scheint es, Maupins Cockring-Story nach Hamburg getragen und als wahr ausgegeben - wo sie natürlich vor allem in jenem Stadtteil für lustvolles Entsetzen sorgte, den die Szene seit Jahren »St. Gayorg« nennt.



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