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die Auswirkungen von GATS vornehmlich durch das Konkurrenzverhältnis deutscher und europäischer Bildungsträger gegenüber Bildungsdienstleistern aus Nicht-EU-Ländern bestimmt. Die Wettbewerbsposition heimischer Anbieter ist jedoch noch nicht systematisch erfasst worden, sodass hier nur einige vorläufige Überlegungen präsentiert werden können, und zwar differenziert nach Erbringungsarten und Bildungssegmenten.
Grenzüberschreitende Erbringung (Mode 1)
Bei dieser Art der Dienstleistungserbringung werden Bildungsmaterialien über Informations- und Kommunikationstechnologien weltweit exportiert. In einem nennenswerten Umfang findet sich diese Erbringungsart bisher nur in den Segmenten Hochschule, Ervvachsenenbildung und »andere« Bildungsdienstleistungen. Im Vergleich zu internationalen Anbietern im Bereich virtueller Hochschulen, wie der Western Governors University und der University of Phoenix Online, befinden sich die deutschen Anbieter mit Ausnahme der Fernuniversität Hagen in der Aufbauphase. Derzeit bestehen in Deutschland sechzehn virtuelle Universitäten, die übervviegend von den öffentlichen Einrichtungen finanziert, in Kooperation mit Stiftungen, Universitäten und Fachhochschulen getragen werden und vorerst für die Abnehmer in Deutschland konzipiert sind.
Die angelsächsischen Anbieter verfügen auf den internationalen Märkten über einen Reputationsvorsprung und einen klaren Sprachvorteil. Ferner kommen sie aufgrund des größeren englischsprachigen Marktes in den Genuss von Größenvorteilen, die sich günstig auf die Kosten bei der Erstellung von Bildungsmaterialien auswirken. Zudem steht ihnen ein größerer Pool von informationstechnologischen Fachkräften zur Verfügung und sie befinden sich in größerer Nähe (nicht nur geographisch) zu den fahrenden Firmen im Bereich der Informationstechnologien und Internetdienste. In einigen Fachgebieten werden deutsche Universitäten bzw. Forscher und Forscherinnen international als führend wahrgenommen, doch für die Attraktivität des Fernstudiums im Ausland dürfte die Reputation eine geringere Rolle spielen als im Bereich des Präsenzstudiums.
Grenzüberschreitend können im Bereich »andere Dienstleistungen« auch Leistungsüberprüfungen mit Multiple-Choice-Frage-
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bögen vorgenommen werden. Marktführer ist die US-amerikanische Educational Testing Services (ETS; http://wwvv.ets.orgn.
Nutzung im Ausland (Mode 2)
Auch diese Erbringungsart beschränkt sich vornehmlich auf Hochschulen und Erwachsenenbildung. Wie oben ausgeführt, dominieren angelsächsische Anbieter diesen Markt. Während international mobile Studierende bereit sind, in den angelsächsischen Ländern für das Studium zu bezahlen, erhält die Masse der ausländischen Studierenden in Deutschland nicht nur Zugang zu einem kostenfreien Studium, sondern zusätzlich noch Subventionen in Form von Sprachkursen und - zu einem geringeren Teil - direkte Aufenthaltsstipendien. Unter rein marktwirtschaftlichen Bedingungen würde somit die Zahl ausländischer Studierender, die sich für Universitäten in Deutschland entscheiden, deutlich geringer ausfallen. Aufgrund des eigenen kleineren Sprachraums ist zu vermuten, dass auch bei einer stärkeren Ausdifferenzierung der deutschen Hochschullandschaft mit der Herausbildung international bekannter, marktorientierter Universitäten keine drastische Änderung dieser Situation eintreten wird.
Jenseits von Sprachkursen wird sich die Teilnahme an Weiterbildungsangeboten im Ausland auf firmeninterne oder firmengeförderte Angebote für die jeweiligen weltweit tätigen Mitarbeiterinnen konzentrieren.
Kommerzielle Präsenz (Mode 3)
Im Falle der Bildung bedeutet dieser Modus in erster Linie die Eröffnung von Sprachschulen bzw. berufsorientierten, fachlich spezialisierten Bildungsinstitutionen sowie eines Universitätscampus in einem anderen WTO-Mitgliedsland.
In beiden Bereichen sind angelsächsische Anbieter deutlich erfolgreicher. Die Präsenz deutscher Hochschulen im Ausland bedarf derzeit noch einer signifikanten Förderung durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD). Es fehlt den deutschen Hochschulen an internationaler Reputation (insbesondere als »Marke« im Bildungsmarkt), an eigener Finanzkraft durch Stiftungsvermögen und an Kenntnissen der betriebswirtschaftlichen Führung und Vermarktung universitärer Lehrangebote. Aufgrund der öffentlichen Förderung der Hochschulen in
4. Die GATS-Verhandlungen im Bildungsbereich 71
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