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H.R. schrieb am 9.4. 2002 um 13:23:37 Uhr über

giger

Ein tiefer Donnerschlag ließ die Luft erzittern, die Erde bebte, und der Himmel wurde taghell. Direkt vor mir, wie aus dem Boden gewachsen, ragte ein modriger
hölzerner Pfosten aus der Erde hervor. Er reichte fast bis zu den Sphären hinauf und war am oberen Ende mit einem Querbalken versehen wie ein enthauptetes
Kreuz. Der Vorhang im Tempel zerriß, doch statt des Erlösers war es die Schlange, die sich am Kreuze erhob und sprach: "Als ich dir einst die Wahrheit versprach,
wenn du vor mir niederfielest und mich anbetetest, da verschmähtest du sie, denn du wolltest klüger sein als ich. Aber in deiner teuflischen Klugheit hast du die ganze
Welt zerstört! Deine teuflische Klugheit hinderte dich, selbst zur Wahrheit zu werden, weil du die Bewegung des Lebens nicht mehr wahrnehmen konntest. Du
setztest etwas anderes, eben dein Bild von der Wahrheit, an diese Stelle. Da sich jede Wahrheit nun wiederum aus diesem deinem Bild speiste, wurde sie, wie jede
andere Wahrheit auch, wiederum zum Abklatsch dieses Bildes: ein Bild vom Bild, an das es sich anlehnte oder von dem es entlehnt worden war. Solche Bilder
dienen dazu, der Angst vor dem Leben zu entfliehen, so daß man sich freiwillig an sie bindet und den Geist in Ketten legt. Ich aber bin die Kraft selbst, welche die
Menschen an ihre Bilder bindet - ich bin die Herrin der Bilder! Du aber bist der Sklave meiner Macht, solange du dich nicht selbst erkennst. Wer sich von den
eigenen Gespenstern befreien will, muß sich mir verweigern. Ich bin der Geist des Wissens, nach dessen Auslöschung sich der Mensch über das Bild seines Gottes
erhebt..."


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