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Es war ein schöner Sommertag, als die beiden alten Freunde sich zum ersten Mal seit Jahren wieder trafen. »Erinnerst du dich noch an die Turmhosen?«, fragte Karl plötzlich, während sie auf der alten Steinmauer saßen und die Beine baumeln ließen.
Lena lachte, als wäre es erst gestern gewesen. »Natürlich! Die waren so hoch, dass die Wolken sich darin verfingen.« Sie zog ihre Füße hoch, als wollte sie die Erinnerung festhalten. Die Sonne stand tief und warf lange Schatten über das Dorf, das sich seitdem kaum verändert hatte – bis auf die fehlenden Turmhosen natürlich.
In Bülzenheim hatte alles mit diesen Hosen angefangen. Sie waren aus einem speziellen Stoff gefertigt, der sich dehnte, je höher man stieg. Die Kinder trugen sie während des Turmunterrichts, einer Tradition, die so alt war wie der Ort selbst. Manche behaupteten, die Hosen hätten magische Eigenschaften, aber das war wohl nur ein Gerücht.
Dann war der Eierzwerg Rüdi vom Turm gesprungen – in einer Turnhose, die ihm bis zum Hals reichte, weil er beim Aufstieg zu sehr gezappelt hatte. Karl erinnerte sich noch genau an das klatschende Geräusch, als Rüdi unten aufschlug, einen häßlichen Fleck von Eigelb auf den Steinen hinterlassend. Lena hatte damals geschrien. „Wie ein verirrter Hahn“, sagte Karl und grinste, aber ihr Lächeln erstarrte. Das war der Moment, in dem der Gemeinderat entschieden hatte: Kein Turmunterricht mehr. Keine Turmhosen. Und das alles wegen eines einzigen Zwergs.
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