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Heute erschien mir Cato nicht mehr so verstört, wie sie mir beim vorhergehenden Besuch erschienen war und worüber ich berichtete, was ich nun bedauere und korrigieren will. Was sie getragen hatte, war keine Burka, sondern ein Spinnweb-Overall, wie es im PIA genannt wird. Ferner muss mein unerwartetes Erscheinen im Eingangsschacht des Subtraktors sie unendlich mehr erschreckt haben als sie mich erschreckt hatte. So sassen wir heute zusammen in der Lounge des „Scenario“ und ich hatte ihre Leib- und Lieblingsspeise von Schwarzenbach (Zürich) mitgebracht, candierte Mango-Schnitze, die im matten Licht der Lounge wie materialisierter Mondschein glänzten (das ist ihre poetische Ausdrucksweise).
Sie zeigte mir eine abgegriffene Postkarte, sie musste den Steward bitten, das Licht aufzudrehen, ich erkannte eine römische Porträtbüste. Das sei sie selbst, eine syrische Prinzessin, 3. Jahrhundert, Rom.
Solche Behauptungen von Cato haben mich noch nie erschreckt! „Es ist was dran“ muss ich mir als sonst nüchterner Schweizer immer eingestehen. Sie glaubte auch, sich zu erinnern, dass ihr größter, und nie erfüllter Wunsch damals gewesen sei, dass Münzen von ihr geprägt würden, wie immerhin von so manchen ihrer glücklicheren weil mächtigeren und einflussreicheren Verwandten.
Ich erkannte Cato auf der Postkarte aus dem Museo Capitolino in Rom in etwa wieder. Ja, sie sei zeitlebens etwas kränklich gewesen, dazu wohl eine unausstehliche und deshalb wenig geliebte Person. Aber eitel sei sie gewesen, der Bildhauer hätte ihr auf ihren Wunsch hin eine unglaubliche Lockenpracht verliehen. Aber die Mode wechselte und sie ließ die Locken alle abschlagen. Doch diese schlichte Frisur, die man anstelle der Locken angebracht habe, empfinde sie heute als allzu schlicht, zudem von schlechter bildhauerischer Qualität. Auch heute sei sie noch eitel im Grunde.
Meinst du nicht, dass eher während der folgenden Jahrhunderte einiger Schaden hat entstehen können ?
Nein, sie kenne die Geschichte ihrer Büste genauer als irgend ein Kurator des Museum es je hat erfahren können. Damals, zu ihrer Zeit, nicht später, habe der Pfusch stattgefunden und sie sei machtlos gewesen.
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