>Info zum Stichwort antikriegsgedichte | >diskutieren | >Permalink 
voice recorder schrieb am 19.1. 2003 um 03:49:27 Uhr über

antikriegsgedichte

Friedrich Schiller (1759-1805)

AUS »DIE PICCOLOMINI«

OCTAVIO

Das Kind des Lagers spricht aus dir, mein Sohn.
Ein fünfzehnjähr'ger Krieg hat dich erzogen,

Du hast den Frieden nie gesehn! Es gibt
Noch höhern Wert, mein Sohn, als kriegerischen;
Im Kriege selber ist das Letzte nicht der Krieg.
Die großen, schnellen Taten der Gewalt,
Des Augenblicks erstaunenswerte Wunder,
Die sind es nicht, die das Beglückende,
Das ruhig, mächtig Dauernde erzeugen.
In Hast und Eile bauet der Soldat
Von Leinwand seine leichte Stadt, da wird
Ein augenblicklich Brausen und Bewegen,
Der Markt belebt sich, Straßen, Flösse sind
Bedeckt mit Fracht, es rührt sich das Gewerbe.
Doch eines Morgens plötzlich siehet man
Die Zelte fallen, weiter rückt die Horde,
Und ausgestorben, wie ein Kirchhof, bleibt
Der Acker, das zerstampfte Saatfeld liegen,
Und um des Jahres Ernte ist's getan.

MAX

Ohl laß den Kaiser Friede machen, Vater!
Den blutigen Lorbeer geh' ich hin mit Freuden
Fürs erste Veilchen, das der März uns bringt,
Das duftige Pfand der neuverjüngten Erde.

OCTAVIO

Wie wird dir? Was bewegt dich so auf einmal?

MAX
ich hab' den Frieden nie gesehn?@- ich hab' ihn
Gesehen, alter Vater, eben komm' ich -
Jetzt eben davon her - es führte mich

66

Der Weg durch Länder, wo der Krieg nicht hin

Gekommen - oh! das Leben, Vater,

gekannt. - Wir haben
Hat Reize, die wir nie

Des schönen Lebens öde Küste nur

bervolk befahreri,
Wie ein umirrend Räu

Das, in sein dumpfig-enges Schiff gepreßt, im wüsten Meer mit wüsten Sitten haust, vom großen Land nichts als die Buchten kennt, Wo es die Diebeslandung wagen darf. Was in den innern Tälern Köstliches Das Land verbirgt, ohl davon - davon ist Auf unsrer wilden Fahrt uns nichts erschienen.

OCTAVI(-) (wird aufmerksam)

und hätt' es diese Reise dir gezeigt?

MAX

Es war die erste Muße meines Lebens. Sag' mir, was ist der Arbeit Ziel und Preis, [)er peinlichen, die mir die Jugend stahl, Das Herz mir öde ließ und unerquickt
Den Geist, den keine Bildung noch geschrnücket?

Denn dieses Lagers lärmendes GewÜhl, mettern,
Der Pferde Wiehern, der Trompete Sch
Des Dienstes immer gleichgestellte Uhr,
Die Waffenübung, das Kommandowort
Dem Herzen gibt es nichts, dem lechzenden

Die Seele fehlt dem nichtigen Geschäft -
Es gibt ein andres Glück und andre Freuden-








67



   User-Bewertung: -1
Assoziationen, die nur aus einem oder zwei Wörtern bestehen, sind langweilig.

Dein Name:
Deine Assoziationen zu »antikriegsgedichte«:
Hier nichts eingeben, sonst wird der Text nicht gespeichert:
Hier das stehen lassen, sonst wird der Text nicht gespeichert:
 Konfiguration | Web-Blaster | Statistik | »antikriegsgedichte« | Hilfe | Startseite 
0.0079 (0.0025, 0.0038) sek. –– 941748453