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Dem Überdruß gehört meine Liebe nicht mehr. Die Wutausbrüche, die Ausschweifungen, der Wahnsinn, deren Aufschwünge und Abstürze ich alle kenne, - all meine Bürde ist abgeworfen. Würdigen wir ohne Verblendung den Umfang meiner Unschuld.
Ich wäre nicht mehr imstande, den Trost einer Tracht Prügel zu erbitten. Ich glaube nicht, daß ich geladen bin zu einer Hochzeit mit Jesus Christus als Schwiegervater.
Ich bin kein Gefangener meiner Vernunft. Ich habe gesagt: Gott. Ich will die Freiheit im Heil: wie sie erlangen? Die oberflächlichen Gelüste haben mich verlassen. Kein Bedürfnis mehr nach Hingabe oder göttlicher Liebe. Ich trauere dem Zeitalter der empfindsamen Herzen nicht hinterher. Jeder hat seine Vernunft, Verachtung und Barmherzigkeit: ich nehme meinen Platz auf der obersten Stufe dieser Engelsleiter des gesunden Menschenverstands ein.
Was das beständige Glück angeht, häuslich oder nicht ... nein, ich kann nicht. Ich bin zu liederlich, zu schwach. Das Leben blüht durch Arbeit, eine alte Wahrheit: mein Leben ist nicht schwer genug, es fliegt und treibt weit über der Tat, diesem feinen Schwerpunkt der Welt.
Wie ich zur alten Jungfer werde, da es mir an Mut fehlt, den Tod zu lieben!
Wenn Gott mir die himmlische, luftige Ruhe gewährte, das Gebet – wie den einstigen Heiligen. - Die Heiligen! Starken! Die Anachoreten, Künstler, wie man sie nicht mehr braucht!
Ewige Posse! Meine Unschuld könnte mich weinen machen. Das Leben ist die Posse, die alle aufzuführen haben.
(Rimbaud, Une saison en enfer/Ein Aufenthalt in der Hölle, Übers. von Thomas Eichhorn)
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