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Es müssen empirisch mindestens drei Varianten des Glaubens an Wiedergeburt unterschieden werden:
1.) Der spezifisch buddhistische Glaube, in dem es paradoxerweise zwar eine Wiedergeburt (über den karmischen Impuls), aber kein stabilies selbst, keine »Seele«, gibt. Was dort wiedergeboren wird, ist eine Art Kontinuität. Wie, wenn man sich ein Seil vorstellt, das aus viele Fäden besteht. Kein einzelner Faden führt durch das gesamte Seil, aber es gibt immer eine Kontinutität, niemals einen vollständigen abbruch.
2.) Die Wiedergeburt aus östlicher Tradition, in der eine Seelenwanderung stattfindet und häufig ein Ende der Wiedergeburt durch eingehen in die Weltseele angestrebt wird.
3.) Die Wiedergeburtslehre aus dem Westen, in Platons Mythos-des-Er am Ende des Buches Politeia, in den Lehren des Pythagoras und auch im NeuenTestament in Joh 3,3–7.
Letztere kennt nicht den Wunsch, den Kreislauf der Wiedergeburten zu beenden; auch ist die richtende Funktion des Karmas und dergleichen als Gedanke nicht vorhanden.
Im Christentum ist das Konzept nicht ausgearbeitet und bezieht sich wohl auf das Wunder der Taufe.
Bei Platon bekommt die Wiedergeburtslehre einen Dreh, die den Hinduismus und Buddhismus (und diversen weiteren Varianten) fehlt: Die pre-native bzw. postmortale Wahl der Seele des im Übrigen durch Notwendigkeit bestimmten Lebensweges.
Ein Gedanke, der bereits Entscheidungsfreiheit, Verantwortung und Individualität betont, Aspekte, die östlichen Religionen nicht notwendigerweise fehlen, aber anders akzeptuiert werden.
Bei Schopenhauer wird das dann gelungen vermischt mit Kants Unterscheidung zwischen den »intelligible Charakter«, den Menschn als Ding-an-sich, als postulat der praktischen Vernunft frei, und den »empirischen Charakter«, der Mensch als wahrnehmbare Erscheinung, in welche er transzendentalphilosophischen Bedingungen wie Ursache und Wirkung unterliegt. Bei Kant ist Kausalität nichts objektiv gegebenes, sondern eine Art Zusatz des menschlichen Verstandes. Ein Zusatz, der als Bedingung der Möglichkeit (»eine notwendige Bedingung« würde ein moderner Logiker sagen) jedoch aus unserer Fähigkeit Dinge zu erkennen folgt. Ergo: Erkenntnis impliziert Kausalität!
Deshalb macht es für Kant Sinn, dem Menschen als erfahrbares Wesen eine vollständige Kausaldeterminiertheit zuzuschreiben, als Ding-an-sich aber seine Freiheit anzunehmen.
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