Liamara, ich schenk Dir ein altes schreckliches Gedicht: In mir liegt Afghanistan mit trocken steinigen Bergen von grenzenloser Majestät umhüllt mit endlosen Turbanen aus grüner Seide die dornenstaubigen Wüsten mit Lapislazuli ausgelegt mit seinen rubinglühenden Städten aus Ocker liegt es in mir mit Flüssen aus kühlem Kristall durchzieht es mich die Ufer bewachsen mit Zeit und mahnende Muezzine rufen zum Ritus von turmhohen Minaretten und wenn ich die Augen wieder öffne und den Kopf wende liegt es vor mir gevierteilt besudelt von Gier und rot von Blut geschunden und gegen ein Bakschisch verkauft an Leichenbestatter Kerkermeister Folterknechte und Konzerne amputiert und verkrüppelt gnadenlos zerstückelt von den Helden und Kriegern Gottes den Geiern zuviel zum Fraß dem Sheitan ein endloses Fest von Tränen geblendet wende ich mein Gesicht schließe die Augen und suche und finde die verschleierten Frauen unter dem Shador der erzwungenen Schwüre ich rieche den Schnee der Bergen sehe den Winter erstarren und zerbrechen und mit tausend Splittern ins Bodenlose fallen ich höre den Malang und verstehe nicht eins seiner Worte mit Schrecken erkenne ich meine Macht und herrenlose Angst jagt durch die Basare meiner Träume und sucht nach einem der vielen Tyrannen sich blindlings zu unterwerfen um nicht der lungernden Dummheit zum Fraß zu werden die sich hinter den zerbrochenen Fenstern mästet endloses Klagen aus morastigen Gefängnissen liegt dem Teufel in seinen haarigen Ohren und langweilt ihn in mir zu Tode und der Gestank seiner Gebeine macht die Nacht in mir zum grellen Tag doch Vorsicht vor Leuten wie mir die über eigene Einsichten Tränen vergießend sich verkriechen und Gedichte schreiben die sowieso niemand außer Meinesgleichen liest und wieder wirft die Wut der Gerechten den ersten Stein und mit flinker Zunge fliegen die weißen Tauben um die mosaikenen Kuppeln der Moscheen und verkünden mit ihren bestickten Flügeln das Ende der Welt und alle meine Wörter liegen grau verstreut auf den Stufen des Altars der Selbstüberschätzung zu früh zum Opfer getragen und zu schnell dargereicht wie die Leidenschaft des hungernden Liebenden beim Anblick der Geliebten