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wuming schrieb am 12.4. 2003 um 21:40:52 Uhr über

Chaos

Bagdad versinkt im Chaos

Plünderer machen Iraks Hauptstadt unsicher.
Selbst Krankenhäuser werden ausgeraubt, erste
Ladenbesitzer bewaffnen sich und schießen
zurück

BERLIN taz In Bagdad ist das Chaos ausgebrochen.
Plünderer, die zum Teil bewaffnet waren, zogen
randalierend durch die Stadt und raubten
Regierungsgebäude, Läden, Privathäuser und selbst
Krankenhäuser aus. Das Handelsministerium stand in
Flammen. Noch immer war die Stadt ohne Wasser und
Strom.

Viele Menschen verbarrikadierten sich aus Angst in
ihren Häusern. Nach Agenturberichten bewaffneten sich
Ladenbesitzer mit Gewehren, Pistolen und
Eistenstangen, um ihre Geschäfte zu schützen. Erste
Plünderer wurden bereits angeschossen. Ein
BBC-Reporter beobachtete einen Lynchmord an einem
plündernden Kind.

Die US-Truppen ließen die chaotischen Zustände zum
Ärger vieler Hauptstadtbewohner gewähren. Mehrere
Menschen wurden an Checkpoints von US-Soldaten
erschossen, weil sich diese durch mögliche
Selbstmordattentäter bedroht fühlten. Im Hotel Palestine,
in dem die ausländischen Reporter untergebracht sind,
wollte das US-Militär laut BBC eine Kontaktstelle für die
Bevölkerung einrichten.

Im östlichen Al-Kindi-Hospital wurden laut AFP
mindestens 25 Menschen mit Schusswunden behandelt.
Dort arbeiteten nur noch zwei Ärzte, nachdem das
Hospital am Vortag geplündert worden war. Viele Ärzte
und Patienten seien geflohen. Operationen könnten nicht
durchgeführt werden. Im Stadtteil Mansur raubten
Bewaffnete ein Kinderkrankenhaus aus. Im Stadtzentrum
wurde das mit modernsten Geräten ausgestattete
Olympische Krankenhaus verwüstet. Plünderer ließen
Betten, Tische mitgehen und zerstörten oder stahlen
Operationsgeräte.

Hilfsorganisationen forderten die US-Truppen auf, das
Chaos zu stoppen. "Laut Genfer Konvention ist es
Sache der Besatzungsstreitkräfte, Recht und Ordnung
durchzusetzen", sagte eine Sprecherin des
Internationalen Roten Kreuzes in Genf.

Vereinzelt lieferten sich bewaffnete Kräfte des
untergehenden Regimes noch Schusswechsel mit den
US-Truppen. Im Norden der Stadt gab es einen
vierstündigen Kampf bei der Imam-al-Adham-Moschee.
Dabei soll laut BBC ein US-Soldat getötet worden sein.
Bis zu 20 wurden verletzt. Fünf US-Soldaten waren am
Vorabend bei einem Selbstmordattentat verletzt worden.
Zwei weitere US-Soldaten und mehrere Iraker sollten
laut al-Dschasira gestern bei dem Versuch getötet
worden sein, eine Rakete zu entschärfen.

SVEN HANSEN

taz Nr. 7029 vom 12.4.2003, Seite 3, 81 Zeilen
(TAZ-Bericht), SVEN HANSEN


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