|
Ich, Ulf, bin Schriftsteller. Das Schriftstellertum ist für mich der Pfad, der am Gipfelkreuz des Parnass enden wird. Ruhm, Ehre, auch Macht werde ich aus meinem Erfolg ziehen. Das Künstlertum ist in Deutschland, vielleicht auch auf der Welt als ganzer, seit langem in stetem Rückzug begriffen. Ich werde mich an seine Spitze stellen, um als Mentor einer neuen Renaissance dem Ruf der Musen wieder Gehör zu verschaffen. Noch ist die Welt dunkel, der Pfad leuchtet nicht. Viele der Menschen die mich kennen, beleidigen mich und sagen, ich wäre ein »Versager«. Wie aber werden sie sich in der Asche der Geschichte ihrer armseligen Leben wälzen, wenn mein zukünftiger Glanz, meine feuerbrennende Gloriole, ihre Jämmerlichkeit erst in heiliger Flammenglut verzehrt haben wird! Auf der Spitze des höchsten Gebäudes des Landes werde ich stehen, mit der Fackel der Wahrheit in der Hand, und vom Bankenturm aus das Land und die Welt erleuchten. Wie werden die Menschen Beifall klatschen, wenn in Bibliothekskatalogen und auch in Internetsuchmaschinen die Treffer der Suchanfragen endlich vor allem nach dem unumstößlichen Prinzip gefiltert werden, dass das, was auf die eine oder andere Weise mit mir zu tun hat, die höchste Priorität und Relevanz besitzt. Wenn im Jahr 2020 dann, sagen wir, ein Internetnutzer nach dem Stichwort »Gütertransport« sucht, dann erscheinen mein Bild, mein Lebenslauf, und das Verzeichnis meiner Werke, meine Aussprüche und meine Taten an den 100 ersten Positionen der Liste der Ergebnisse. Genauso wird es bei allen anderen Suchbegriffen sein. Werbeplakate in den Städten werden abgehängt werden, und mein Gesicht an ihrer statt angebracht. Im Fernsehen finden nur noch Lesungen aus meinen Werken statt. Die Theater spielen ausschließlich noch Adaptionen meiner Prosa (denn ich bin vornehmlich Prosaschriftsteller. Die anderen Schwundformen des Schriftstellertums haben mich nie interessiert!). Im Kino laufen nur noch Aufzeichnungen dieser Theateradaptionen. Es wird eine glückliche Zeit werden! Verneigt euch jetzt!
|