|
WÉin Mitarbeiter erzählte mir und Kollegen auf einem Stammtischabend aus seiner Jugend in den 1950er Jahren.
„Ich war ein Einzelkind. Nach der Währungsreform (1948) arbeiteten beide Elter. Sie hatten im Krieg fast alles verloren. Bis zu ihrem Tod war ich nach der Schule bei meiner Oma. Abends und am Wochenende wurde ich streng, aber liebevoll erzogen, besaß jetzt eine Lederhose, lernte den Rohrstock kennen für groben Unfug und oft genug auch in der Schule.
Ich war ein guter Schüler. Mein Klassenlehrer meinte ich könne aufs Gymnasium gehen. Meine Eltern wussten es, aber ich sollte nach der 8. Klasse eine Lehre machen. Aber der Lehrer schrieb eine Empfehlung an ein Internat, dass intelligente arme Jungen kostenfrei aufnahm. Ich war glücklich!
Die neue Schule, bis Kriegsende eine Napola, lag ziemlich abgelegen in der Eifel. Wir wurden hart erzogen. Es gab keine Schuluniform, aber ein Kleiderordnung: Kurze Hosen ganzjährig, im Winter draußen mit Stiefeln, Wollsocken, Wollunterhosen, Hemd, warmer Pullover oder gefütterte Jacke. Im Frühling und Herbst blieben die Unterhose weg, wir trugen Halbschuhe mit Söckchen und zum Hemd im Freien eine dünne Weste. Im Sommer trugen wir Sandalen oder Turnschuhe und ein kurzes Hemd oder gar nichts.
Im Haus waren nur Hose, kurzes Hemd und Sandalen erlaubt . Geschlafen wurde nackt unter - je nach Jahreszeit – dünnen oder warmen Decken in unheizbaren Zimmern Geduscht wurde kalt. Zu essen gab´s genug. Alle zwei Wochen blieb die Küche geschlossen – es gab nur Wasser und Brot
Den Rohrstock kannte ich von daheim und in der Schule. Hier war es auch nicht anders. Aber zusätzlich wurden wir gegen Schmerz abgehärtet: Strammstehen, Fußgelenke mit den Händen umklammern und die Zähne zusammenbeißen und auf gar keinen Fall aufspringen und weglaufen.
Am Wochenende gab´s Wanderungen mit schwerem Rucksack oder Mutproben z.B durch Brennnesseln oder Disteln renne.
Ich denke gern an meine Internatserziehung zurück.“
|