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Mein Neffe Erzfried hatte einmal die Pest im Haus. Als er das merkte, schrie er, er schrie und tobte und seine hysterischen Ausfälle wiesen vor allem in jene eine Richtung: man solle ihm möglichst sofort große Mengen Jod bringen. Er badete dann darin, war also, als er aus der Wanne stieg, vom Kopf bis zum Fuße braun-rötlich, im Grunde also widerlich anzusehen. Erzfried gefiel seine neue Gestalt aber ganz außeordentlich, was also bedeutete, dass er sich nicht mehr wusch, nur alle paar Wochen seinen Farbton in einer Badewanne voll Jod auffrischte und ansonsten Nackt umherlief. Ich fand ihn so eines Tages vor der einzigen Tankstelle im Dorf, und zwar nächtens (denn ich war gerade von einer Hochzeit zurückgekehrt). Er redete laut, obwohl er mich zunächst nicht herannahen sah, und sonst keine weiteren Menschen zugegen waren. Er sagte, er wolle zum Mars fliegen, um dort Freundschaft mit den Bewohnern zu schließen, auf daß diese ihm das unermessliche Labyrinth unter der Oberfläche ihres gastlichen Planeten zeigen würden. Er malte sich das Reich der Marsmenschen, so konnte man an diesem kalten Winterabend hören, als ein gewaltiges Königtum aus, an dessen Spitze König und Königin auf ihren resigen güldenen Thronen saßen, in einer Halle von unermesslichen Ausmaßen. Grünlich leuchtend stellte er sich die Atmosphäre vor, ein leuchten, das über der Weite des Marsorizonts hing, Tag wie Nacht, und das alles an der Oberfläche in einen blassen Schimmer tauchte. Riesige Kuppeln dienten in seiner Rede dem Marsmenschen als Wohnstatt. Plötzlich hielt er inne unnd sah nach oben, zu den Sternen. Als er mich dann plötzlich bemerkte, entsponn sich aus seinem Mund ein bizarrer Monolog über Wehrdörfer in der Ukraine.
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