Einige überdurchschnittlich positiv bewertete
Assoziationen zu »Pseudophilosophie«
brüskierter Baron schrieb am 23.8. 2026 um 15:18:15 Uhr zu
Bewertung: 2 Punkt(e)
Die häufigste Ursache von Pseudophilosophie in unserer Gegenwart ist übrigens die Existenz von akademischen Lehrstühlen und anderen gestifteten Stellen an sich.
Diese Stellen bieten einen nicht-ideellen Anreiz, auch rein epistemologisch (oder, wie man heute leider häufiger sagt, »bayesianisch«) nicht überzeugende Lehren zu vertreten, damit man damit ein Auskommen hat.
Betrachten wir etwa Bernard Bolzano - der die Transzendenz der Zahl Pi parallel zu Weierstraß bewies - , aus dessen Biographie wir erfahren, er habe einen Lehrstuhl für »Religionsphilosophie« erhalten, der von den reaktionären Obrigkeiten nach der französischen Revolution explizit eingerichtet worden war, um die aufklärerischen Lehren, die angeblich zur französischen Revolution führten, zurückzudrängen. Das heißt im Umgekehrschluss, dass beispielsweise ein Atheist und Freidenker keine Chance für diesen Lehrstuhl hätte, auch dann nicht, wenn er ehrlich überzeugt von seinem Atheismus sei.
Umgekehrt gibt es das übrigens auch. In den Staaten des Ostblocks gab es keine Meinungsfreiheit und jeder Philosoph musste sich wenigstens verbal zum Marxismus-Leninismus bekennen oder lief Gefahr, wegen seiner »bürgerlichen« Ansichten abgesetzt zu werden.
Die heutige akademische Welt ist nicht wesentlich besser; heute nennt man es »Woke« aber es bedeutet im Wesentlichen nichts anderes als das. Würde ein heutiger Autor, gleichgültig des Geschlechts übrigens, eine Lehre entwickeln, derzufolge etwas essenziell _weibliches_ und _männliches_ existieren sollte, so würde diese Person keine Chance auf einen Lehrstuhl oder eine Anstellung im regulären akademischen Apparat haben und wäre auf andere Mittel der Geldbeschaffung angewiesen, wovon der Erfolg am Büchermarkt der naheliegendste und zugleich korrumpierendste ist, da bekannt ist, dass das Publikum am Liebsten liest was es ohnehin glaubt. Ich füge gleich hinzu, dass meine Person nicht an die Existenz von solchen geschlechtlichen Essenzen glaubt. Der Einwand fand statt vor dem Hintergrund der Existenz vieler esoterischer oder »philosophischer« Systeme, in denen eben so eine weibliche oder männliche Essenz behauptet wird. Man denke nur an die Lehre vom Ying und Yang.
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