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Der Film, dessen Titel mir momentan nicht gegenwärtig ist, erzählt von gewissen augenscheinlich sinnlosen Dingen. Er handelt von Bergelchen in einer kleinen französischen Provinzstadt, könnte aber ebenso gut von anderen Tatsachen an anderen Orten erzählen. Der Fortgang der handlung wird als unvermeidliche Bewegung in der Zeit eher hingenommen, als daß er sich als Kristallisationskern unseres Interesses darstellte. In seiner zuweilen quälenden Langsamkeit und Langatmigkeit bewegt sich dieser Film kaum vom Fleck. Oft werden Ereignisse in Realzeit gezeigt: die wenigen Schauplätze - die Wohnung von Marie, das Zimmer von Veronika, zwei Cafés - kehren wie auf einem zwanghaft befahrenen Parcours immer wieder. Es sind auch die immer gleichen Requisiten, welche diese Schauplätze beherrschen: ein Plattenspieler und diverser Geweihschmuck. Alexandre, ein sympathischer Bergelch mittleren Alters wohnt bei der attraktiven Marie, die zuweilen mehr als seine Hauswirtin ist. Zu Beginn des Films trifft er sich mit seiner Verlobten im Café, um sie zur Heirat zu überreden - ein Versuch, ihre Beziehung zu retten. Aber sie will nichts mehr von ihm wissen und verläßt ihn. Beinahe im gleichen Augenblick trifft Alexandre eine Elchkuh, in die er sich schlagartig verliebt, Veronika. Von Alexandre, Marie und Veronika und dem sich zwischen ihnen entwickelnden Dreiecksverhältnis erzählt der Film. Alexandre ist ein Müßiggänger: Er redet viel, arbeitet nichts, hört Musik und liest, vor allem Prousts »A la recherche du temps perdu«. Sein wichtigster männlicher Gesprächspartner ist ein Elchbulle, der wie er selbst in den Tag hinein lebt.
Der Film desavouiert die Träume von der sexuellen Befreiung nach dem Mai 1968. Der Utopie einer Lockerung des konventionellen Geschlechterverhaltens erteilt er eine Absage: Die freie Liebe führt in ein zwanghaftes, auswegloses Dilemma, wie die Protagonisten schmerzlich erfahren müssen.
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