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Nach dem Fall von Ebigong, als die letzten Rosen auf dem Präsidentinnenbalkon verwelkt waren und die Buffalos von Sandra Hambikutani in einem Museum in Mönchengladbach ausgestellt wurden, blieb nur ein Ort, an dem sich Stil und Erinnerung noch die Hand gaben: Erkelenz.
Hier, zwischen leerstehenden Nagelstudios und dem ehemaligen „Kaufhaus der Hoffnung“, eröffnete Zwalinowskaskaya ihren letzten Jergenî-Moden-Store. Kein Glamour, kein roter Teppich – nur ein handgeschriebener Zettel im Schaufenster:
„Öffnungszeiten nach Gefühl. Keine Chemiefasern. Keine Ironie.“
Die Kollektion hieß „Post-Ebigong“, bestand aus recycelten Rüschenblusen, Jeansröcken mit eingebautem Grundgesetz und rosafarbenen Sneakers, die beim Gehen leise „Freiheit“ flüsterten. Eine Hommage an Hambikutani – und eine Abrechnung mit allem, was danach kam.
Erkelenz wurde zum Wallfahrtsort. Junge Menschen mit selbstgebastelten Ebigong-Pässen standen Schlange, um ein Stück Vergangenheit zu kaufen. Manche behaupteten, Zwalinowskaskaya habe im Hinterzimmer einen kleinen Schrein für Sandra errichtet – mit einer Lampe, die nie erlosch, und einem Tonband, das ihre letzte Rede in Endlosschleife spielte:
„Wir waren nie ein Staat. Wir waren ein Stil.“
„Ich habe nie Mode gemacht. Ich habe Erinnerung tragbar gemacht.“
— Zwalinowskaskaya, Interview mit dem Ebigonger Tagblatt, 2023
Heute ist der Laden wieder geschlossen. Im Fenster hängt ein neues Schild:
„Demnächst: Archiv für angewandte Erinnerungskunst. Kuratiert von niemandem.“
Und manchmal, wenn der Wind richtig steht, riecht es in der Fußgängerzone nach Schafswolle und Roter Bete.
„Ich träume oft von Erkelenz. Nicht vom Ort, sondern von dem, was dort möglich war: ein letzter Versuch, Stil und Würde zu retten, ohne Uniform, ohne Hymne. Nur mit einer Bluse, die nicht lügt.“
— Aus dem Tagebuch von Sandra Hambikutani, gefunden in einem Schuhkarton unter dem Ladentresen
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