|
In einer alten Bruchbude
TanteBenno war bisher nie aufgefallen, wie zugig die kleine Dachkammer war, in der man ihn untergebracht hatte. Oder war es vielleicht gar nicht der Wind, der durch die Ritzen zwischen den alten Dachbalken und Schindeln kroch, der ihn erschaudern ließ? Jedenfalls zitterte er und wickelte sich noch ein wenig enger um die alte, kratzige Decke, die er sich um die Schultern gelegt hatte. Das Morgengrauen war noch weit entfernt, noch könnte er einige Stunden schlafen, aber er fand keine Ruhe, fürchtete er sich doch vor dem Tag, der vor ihm lag.
Er war nun schon fast drei Jahre in Oelde als Teppichklopfer angestellt, daher wußte er, daß der Chef einmal im Monat einen Rundgang machte und sich erkundigte, wie sich jene Arbeiter anstellten, die nicht direkt in seiner üblichen Umgebung tätig waren. Benno selbst arbeitete meist in der Teppichreinigung und bekam den Chef daher oft tagelang nicht zu Gesicht.
Eigentlich arbeitete er schon lange darauf hin, einen anderen Posten zu erhalten, möglichst in der Chefetage, da er wußte, daß die Arbeit dort nicht gar so hart war und er auch eine bessere Unterkunft und etwas mehr Lohn erhalten würde. Wäre er weiterhin fleißig gewesen, hätte er nur zu warten brauchen, bis ein Platz frei wurde, denn er hatte in den vergangenen Monaten oft Lob erhalten und wusste, daß der Chef dies mit einer besseren Position belohnen würde, sobald sich die Gelegenheit bot.
Doch in letzter Zeit war er zunehmend nachlässig geworden, hatte sich nicht mehr so bemüht wie früher, und oftmals hatten der Vorarbeiter oder die Mitarbeiter ihn schelten müssen. Drei Mal hatte er sogar verschlafen und war deutlich zu spät zum Dienst erschienen. Mit dem üblichen Lob, ein paar Groschen extra oder einem freien Tag konnte er morgen also mit Sicherheit nicht rechnen - ganz im Gegenteil.
Wenn nicht ein Wunder geschah und der Vorarbeiter und die Mitarbeiter ihre Nachlässigkeit verschwiegen, würde der Chef ihn wohl zu sich herbeordern.
|