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Deutsch, 1. Annäherung:
Ein Neuseeländerin, in Deutschland, sehr sympathisch: »Ihr Deutschen, ihr seid so ordentlich, auch wenn ihr es nicht wissen wollt. Ihr lauft so ordentlich rum, so gut angezogen, wie bei uns nur auf Hochzeiten - naja, die meisten von euch.« - Im Anschluss haben wir ihr beigebracht, wie man »deutsche Würstchen« brät, sie hat ein Photo gemacht, und wir haben ihr die Vokabel beigebracht »geplatzte Würstchen«.
Deutsch, 2. Annäherung:
Russlanddeutsche sind niemals Russen. Eine gute Freundin: »In Russland waren wir Deutsche, und sie haben uns Fensterscheiben eingeschlagen und die Wände mit Hakenkreuzen zugeschmiert. Hier in Deutschland sind wir auf einmal Russen, dabei hasse ich niemanden mehr als die Russen.«
Deutsch, 3. Annährung:
SPIEGEL. Die Deutschen stehen am meisten auf Biokost, auf »Probiotik«. Typisch deutsch ist wohl auch das Anglizismen benutzen und das Dreschen von Business-Vokabeln (»Innovation«, »Veränderung«, »situativ« ...). Hauptsache, etwas wirkt modern.
Deutsch, 4. Annährung:
Abschaffung des Tags der deutschen Einheit. Schon der Feiertag ist typisch deutsch, denn am Dritten war eigentlich nichts, alleine der formale Akt der Unterzeichnung. Und das wir darüber diskutieren, diesen Tag abzuschaffen, macht es doch nicht weniger deutsch. Es ist vielmehr typisch deutsch.
Deutsch, 5. Annährung:
Wir sprechen die gleiche Sprache wie Dieter Bohlen, Adolf Hitler, Goethe. Man wünscht sich ja immer so sehr, international/bilingual aufgewachsen zu sein, aber es kommt, wie es kommt. Einen Fahnenmast ist ein ungewohnter Anblick.
Für weitere Annährungen:
Es gibt kein deutsch, aber es gibt ein nicht-deutsch. der deutsche ist nicht so, und er ist nicht so, aber doch mag man sagen, wie er nicht ist. (nun gut, wir sind nicht franzosen, aber das ist ja trivial, aber sogar schon sehr viel.)
nationale identität bei den konservativen ist immer ein wenig wie »sich am eigenen schopfe aus dem sumpf ziehen«. traditionen pflegen, damit man traditionsreich ist, und sagen kann: wir pflegen traditionen. dabei ist glaube ich niemand wirklich deutsch. wir leben hier und dort, und werden dabei unverwechselbar wir (ja, es gibt ein wir).
ich glaube an die vorsicht beim fragen.
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