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Rafael Alberti (geb. 1903)
MADRID - HERBST
1 Mehr angesehn denn je
Stadt der angestifteten, der dunkelsten Verderben, als Stadt, die ohne Deckung auf der Erde liegt,
der nächtlichen Bedrängnis, die hinabzusinken heischt zur Angst
mit schlummerlosen Augen in die fahlen Keller, es erhebt, getroffen, deine Stirne sich,
ich möcht im Zorn, doch kalten Blutes verwundet deiner Flanken Wald und Fluren : rde decken,
die Stimme mir ausreißen bis zur Wurzel - doch ich kann nicht-, dein Herz jedoch werden sie, tot, niemals mit E
um dich so schweigend zu betreten, obwohl sein Pochen Trümmerberge lähmen.
daß, ohne Einspruch, meine Tränen, Stadt, gegenwärtige Stadt,
meine Spuren tilge das vergoßne Blut. in deine- innersten aus Ruhm und Unheil hütest du
In deinen hingesunknen Vororten und Ländereien, deines künftigen Lebens schönsten Keim.
Stadt, in deinem Umkreis, von Regen naß und kältestarr, Unter dem Sprengstoff deiner Himmel, berstend,
tritt mein Fuß in Schützengräben, vernehmen wir des neuen Sohns, des sieghaften, Geburt.
in Schlamm und Pfützen auf verblichne Blätter. Unter Schreien und Stößen setzt die Erd ihn ein.
Die kahlen Bäume stützen ihr Geäst
auf Schindel und auf Fachwerk, wo cher,
Paläste, Bibliothekenl Diese zerschossenen Bü
Schießscharten den angsterfüllten Himmel unverwandt die der zerstampfte Rasen auffängt und nicht begreift, bespähen, der aus Flammen nur und Explosionen.
diese verblichenen zerschlißnen Sofas,
die einzig noch der Frost benutzt und schützt:
Kapitale, gezeitigt nun für den Beschuß, die überraschenden
Schutt-Avenuen und Viertel in Ruinen,
mich durchläuft ein Schauer, wenn ich an die Museen denke Familienbilder hier, ännliche Bewohner
hinter Barrikaden, die die Straßenecken schneiden. auf denen uns des Hauses m
Häuser sind, deren bescheidene Mauern, nun zum in überflüssigen Monturen
öffentlichen anschaun - zerfetzt,
Schauplatz erhoben, des Tischtuchs Szene zeigen beschmutzt, zertreten -
und der noch gemachten Betten, mit jener unsagbaren düsteren und starren Geste
der menschenleeren Kleider des, der schon bei der Geburt die Wand der Füsilierten stummes Drama in der Mauernische dort, auf dem Rücken trägt;
dies Bild, dies Buch und dieser Zorn, der mir, eingefangen von den kalten und gesprungenen was du an Klagesang nun für mich hast, entreißt,
Spiegelflächen armseliger Schränke, sind Fetzen Blutes deines Frührots, des entsetzlichen.
den Sandsäcken vermengt. Stadt, ich will dir helfen, deinen Tag zur Welt zu bringen.
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