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Was für ein trauriges Geburtstagsfest ohne die beste Freundin! Das Schweinchen schickte die anderen Gäste bald nach Hause. Und so saßen sie beide an diesem Abend traurig und allein in ihren Häusern - das Schweinchen in seinem Haus und die Katze in ihrem.
Spät am Abend, als das kleine Schweinchen eingekuschelt in seine Decke auf seinem Bett hockte und die Wand anstarrte, kam auf ihren kurzen Beinen und ganz langsam die Schildkröte heingewackelt, um zum Geburtstag zu gratulieren. Sie reckte ihren langen Hals aus ihrem mit geheimnisvollen
Mustern bedeckten Panzer, schaute mit ihren unergründlichen, dunklen Augen dem Schweinchen lange ins Gesicht und sagte dann: »Mit dir stimmt doch was nicht. Sag, kleines Schweinchen, warum so traurig an deinem Geburtstag?« Immer kam sie zu spät - so langsam war die Schildkröte. Aber die war nicht nur langsam - sie war auch weise, und wenn sie einen Ratschlag gab, dann taugte der auch was. Und so erzählte das Schweinchen der Schildkröte die ganze Geschichte.
»Und, was meinst du, soll ich jetzt tun?«, fragte das Schweinchen. Die Schildkröte machte die Augen zu und überlegte. Das Schweinchen glaubte schon, sie wäre eingeschlafen, als sie plötzlich die Augen wieder öffnete und sagte: »Da gibt es nur eins - du musst es der Katze sagen, denn sonst werdet ihr beide nicht mehr froh. Wenn du es ihr nicht sagst, dann wirst du dich immer schuldig fühlen, und mit dem Ball spielen kannst du auch nicht. Und die Katze wird immer glauben, dass du enttäuscht bist, dass sie kein Geschenk für dich hatte. Du wirst ihr aus dem Weg gehen und sie dir, und dann ist eure schöne Freundschaft vorbei.« »Aber wenn ich der Katze sage, dass ich es war, der den Ball geklaut hat, dann wird die Katze sicher böse auf mich sein, und dann ist unsere Freundschaft doch bestimmt auch vorbei!«, rief das Schweinchen ganz verzweifelt. »Probiers aus«, sagte die Schildkröte und wackelte auf ihren kurzen Beinen und ganz langsam wieder zur Tür hinaus.
Am nächsten Morgen kullerte plötzlich ein roter Ball mit weißen Punkten über die Schwelle in das Baumhaus der Katze herein, und dahinter erschien ein verschwitzter Schweinekopf auf der Strickleiter. »Hier ist der Ball, den du mir schenken wolltest«, sagte das Schweinchen. »Ich bin es gewesen, der ihn geklaut hat. Jetzt willst du bestimmt nicht mehr meine Freundin sein, und das kann ich auch verstehen.« Das Schweinchen lauschte, ob die Katze vielleicht so etwas sagen würde wie »macht doch nichts, dass du den Ball genommen hast« und »klar sind wir noch Freunde«, aber das tat sie natürlich nicht. Sie sagte überhaupt nichts. Und so machte das Schweinchen kehrt, mit Tränen in den Augen, kletterte so schnell die Strickleiter hinunter, dass es beinahe abgestürzt wäre und lief nach Hause, und den ganzen Weg über kullerten die Tränen aus seinen Augen wie ein kleiner Wasserfall.
Später am Tag rumste etwas gegen die Wand des kleinen Häuschens, in dem das Schweinchen wohnte. Und dann rumste es nochmal. Und nochmal. Das Schweinchen lief nach draußen, um zu sehen, wer da so einen Krach machte. Es war die Katze! Sie warf den Ball gegen die Hauswand, so, wie es ein paar Tage zuvor auch das Schweinchen gemacht hatte. »Ich bring dir dein Geburtstagsgeschenk!«, rief die Katze und warf dem Schweinchen den Ball an den Kopf - nicht so, dass es wehtat, aber doch so, dass das Schweinchen sich gehörig erschreckte. »Ein bisschen Strafe muss sein!«, lachte die Katze, als sie den verdutzten Gesichtsausdruck des Schweinchens sah. »Willst du den Ball nicht zurückwerfen?«, rief sie, »komm, lass uns Ball spielen, du brauchst Bewegung - du wirst zu fett!« »Sind wir denn immer noch Freunde?«, fragte das Schweinchen ungläubig. »Klar sind wir noch Freunde«, sagte die Katze.
»Freunde müssen auch mal verzeihen können. Aber das nächste Mal, wenn du mir was klaust, dann klau ich dir deine Lieblingshose und häng sie ganz hoch in meinen Baum, dass du nicht mehr drankommst!« »Das wollen wir doch mal sehen!«, antwortete das Schweinchen. »Lass uns ganz viel Ball spielen, dann bin ich bald so fit wie du und klettere auf den höchsten Baum des Waldes!« Und dann spielten die beiden Ball, so lange bis es dunkel wurde.
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