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Ludmilla ließ sich darauf ein, ihm ein halbes Quadrat zuzugestehen, bat ihn jedoch inständig, wenigstens seine Hände zu lackieren. Sie wollte ihm keineswegs ungeschützt dieses halbe Quadrat überlassen. Aligast nahm die Spraydose aus der Lovebox und sprühte Lack über seine Hände.
»Es wird heute das letzte Mal sein! Zum nächsten Vollmond wird die Ganzlackierung Pflicht. Die Entwicklung ist erprobt und abgeschlossen. Sämtliche unkontrollierbaren Gefühle bleiben innerhalb, verstehst du, vielleicht haben wir dann wieder eine Chance!« sagte er und übergab die Spraydose der eingehüllten Frau.
»Das wird aber auch Zeit. Erst neulich ist es wieder zu Unfällen gekommen«, antwortete Ludmilla, und Aligast glaubte in ihrem Blick neben großem Misstrauen eine gewisse Erleichterung zu erkennen.
»Vielleicht haben wir dann wirklich eine Chance«, sagte sie und lackierte das unbedeckte, halbe Quadrat auf ihrem Oberarm.
Dann stellten sich beide vor dem Bett einander gegenüber und begannen mit den Handlungen. Sie bewegten sich. Jede Bewegung war genau ritualisiert. Eine absichtliche Berührung sollte - ja durfte nicht stattfinden, und sie richteten sich danach. Dennoch reichte ihnen nach kurzer Zeit die Zeremonie nicht aus - nicht für den großen Clash, dieses begehrte aber gefährliche Gefühl bei der geringsten Berührung - und schon gar nicht für die Wucht der Empfindungen bei einem Kontakt winzigster, unlackierter Hautflächen.
Aligast keuchte. Ludmilla kämpfte gegen das Verlangen, ihre Angst zu überwinden. Sie wusste, sie würde auch jetzt wieder nachgeben - trotz der Schmerzen, die sie dabei auszuhalten hatte. Und diese Nacht wäre die letzte Gelegenheit für das Erlebnis einer absolut ungeschützten Berührung.
Sie schauten sich fest in die Augen.
Ohne ein Wort führte Ludmilla ihre Hand an die kleine, nur durch den dünnen Lackfilm geschützte Fläche ihres Oberarms. Sie rieb daran, um das Zeug wieder zu entfernen. Auch Aligast begann, etwas Lack von seinem Zeigefinger zu rubbeln. Langsam, ganz langsam legte er ihn auf Ludmillas nackte Hautstelle.
Vor Schmerz schrie sie laut auf. Aligast krümmte sich, hechelte. Nie erfahrene Gefühle durchströmten die Körper der beiden. Niemals zuvor hatten sie derart ungesetzlich gehandelt - ohne den Mindestschutz eines Lackfilms.
Mit größter Kraft presste er seine Hand gegen Ludmillas Oberarm. Sie presste zusätzlich dagegen, und beide ergaben sich voll dem unendlichen Rausch der Empfindungen.
Es dämmerte bereits, als er seine Hand von ihrem Oberarm löste und sich erschöpft auf das Bett fallen ließ. Ludmilla weinte still und schleppte sie sich völlig entkräftet zur Lovebox. Dort nahm sie die Brille und warf sie resigniert und wütend in das Glas des Goldfischs. Noch vor dem nächsten Vollmond würde sie sich lackieren lassen - unwiderruflich! Gequält schälte sie sich aus den Tüchern und übergab sie dem Feuer.
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