>Info zum Stichwort DasFüllhornDesEwigenErbrechens | >diskutieren | >Permalink 
Der Kommissar schrieb am 18.12. 2005 um 20:17:10 Uhr über

DasFüllhornDesEwigenErbrechens

Als der Kommissar diese Nachricht bekommt, ist er wieder ganz der Alte, auf seiner Stirn ziehen sich lüsterne Falten zusammen. Er ballt seine Rechte zur Faust und schlägt einmal schwer auf den Schreibtisch. Bumm! Jetzt reicht's ihm! Er will heute noch das Monster schnappen. Und wenn es wer weiß was kosten würde. Er springt auf, um mit seinem Auto und seinem Team am Tatort anzurücken. Mit wehenden Haaren zischt er wie eine Rakete durch das Präsidium und trommelt seine Leute zusammen. Die Nachricht von der ermordeten Kinderschwester Gertrud hat ihm ein Anruf gebracht. Die Stimme klang aufgeregt, und der Anrufer stotterte. Dabei wollte er aber seinen Namen nicht nennen. Kommissar Schneider dachte darüber nach, daß es immer das gleiche ist, die Leute wollen sich doch immer aus allem raushalten. So, als hätten sie Angst vor etwas Unheimlichen, etwas Überdimensionalen. Sein Wagen stiebt Feuer aus dem Auspuff. Er rast durch die Stadt und kommt als erster an. So hat er die Möglichkeit, noch vor den Fotografen die Leiche zu untersuchen. Er hat sie vor sich liegen, der Kopf der Leiche ist puterrot angelaufen, mehr blau sogar. Die Augen weisen in eine bestimmte Richtung. Der Kommissar sucht die Gegend ab, mit besonderem Augenmerk auf die Stelle gerichtet, wo Schwester Gertrud hinschielt. Was ist denn da? Er geht gebückt den Weg entlang, um ganz nahe am Boden zu sein. Nur dort kann es Spuren geben, weil oberhalb des Weges die Bäume erst vor kurzem gestutzt worden waren. Da fällt ihm folgendes auf: an einem Ast, der, im Gegensatz zu den anderen Ästen, etwas länger über dem Weg hängt, baumelt ein Haar. Ja, ein Menschenhaar, der Kommissar hat es mit seinem Adlerauge sehr schnell ausgemacht. Er nimmt es sachte vom Ast und schaut es sich mit seiner Polizeilupe genauer an. Als er die in entgegengesetzter Richtung verlaufenden Riefen in der Haarschutzschicht sieht, die das menschliche Haupthaar ummanteln, ist er überzeugt davon, daß es sich um ein Haar des Täters handelt, denn bei einem Kampf um Leben und Tod wird normalerweise auch das Haar in Mitleidenschaft gezogen. Hier kann es sich deshalb nur um ein Haar des Täters handeln, weil Schwester Gertrud keine Haare mehr auf dem Kopf hat. Oder sollte sie zusätzlich von dem Täter noch geschoren worden sein? Kommissar Schneider wird es in Erfahrung bringen. Man braucht nur im Kindergarten nachzufragen, ob die Kinderschwester Gertrud Glatze hatte. Da treffen auch schon die unvermeidlichen Pressefritzen ein. Kommissar Schneider nimmt sein neues Indiz mit und verläßt den Fundort der Leiche. Sein nächstes Ziel: das arabische Museum. Er parkt den Wagen längs zur Querseite des riesigen Gebäudekomplexes. Das Wagendach schimmert befremdend in der Sonne. Es dampft noch von dem Waldnebel. Nur drei Mark kostet der Eintritt in die frühherodische Ausstellung. Die Frau an der Kasse sieht nett aus, sie ist zirka fünfzig Jahre alt. Der Kommissar zwinkert ihr zu. »Gibt es eine Führung- »Nein, Sie müssen schon selbst zurechtkommen! Hier geht's losDie Frau zeigt auf den linken Eingang. Mit großen Schritten durchmißt der Kommissar den ersten Raum, hier ist nicht das zu finden, was er sucht. Auch im zweiten Zimmer ist nichts. Bald hat er die ganze untere Etage durch. Irgendwo muß es doch die Höhlenmalerei geben, wo man deutlich erkennen kann, daß der Künstler eine bestimmte Kratztechnik verwendet hat und nicht, wie bei den üblichen Wandmalereien, Stöcke mit selbstgekochter Farbe, die eingerächert wird. Und schon steht er vor dem Bildnis. Eine Kordel trennt den Zuschauerraum von dem Exponat ab. Der Kommissar dreht sich einmal um, bevor er einen Haken löst, um die Kordel anzuheben und drunterherzuklettern. Er fährt mit seinen Händen über das Kunstwerk und hält an einer bestimmten Stelle inne. Noch weiß er nicht, daß er beobachtet wird.
Unter der Deckenbeleuchtung ist eine moderne Sucherkamera eingebaut, um Diebe abzuschrecken. Das weiß der Kommissar zwar, doch er bemerkt nicht den Wächter, der sich auf leisen Sohlen anschleicht. »Hey! Sie da? Was machen Sie da!?« Schnell packt er sich den Kommissar von hinten. Geistesgegenwärtig fährt der Kommissar in seine Tasche und befördert eine chemische Keule ans Tageslicht. Damit legt er den Wächter schnell flach. Doch auch der Kommissar ist benommen von dem Gift. Er schleppt sich torkelnd über die Gänge, um sich von der netten Frau hüstelnd zu verabschieden. Er steigt ins Auto und fährt los. Weil er kaum was sieht, nimmt er unglücklicherweise eine Frau mit Kinderwagen auf die Stoßstange seines Straßenrenners. Er bemerkt es erst viel später, der Kinderwagen klebt zerfetzt an der Kühlermaske, als er eine Pause macht, um einen Apfelsaft in seiner Stammkneipe zu trinken, und an dem Wagen vorbeigeht, nachdem er ihn auf den Parkplatz gesetzt hat. Ärgerlich reißt er die Überbleibsel des häßlichen Unfalls von seinem Schmuckstück. Er weiß nichts von seiner Untat. Ob man ihn deshalb verurteilen wird? »Herr Ober, ein Apfelsaftund der Apfelsaft kommt sofort. Schnell trinkt der Kommissar das Glas aus, er muß weiter.
Das hier muß der Kindergarten sein, wo Schwester Gertrud gearbeitet hat. Die Wagentür schnappt zu. Mit dem linken Schuh tritt der Kommissar in einen Hundehaufen, ein sehr großer Haufen. Von einem Bernhardiner wahrscheinlich. »BaAngeekelt schlackert er die Kacke ab, dann wischt er den Schuh seitlich an ein paar Grashalmen ab. Es geht nicht ganz ab. Er nimmt ein Papiertaschentuch aus dem Mantel und wickelt sich eine Ecke davon um den Zeigefinger der rechten Hand, spuckt einmal drauf. Dann reinigt er die letzten Kackreste aus dem Profil der Sohle. Verschämt macht er das Taschentuch zu einem Knubbel und wirft ihn in einem unbeobachteten Augenblick hinter die Büsche. Es regnet.
Es ist so, als hätten die Kinder schon auf den Kommissar gewartet. Hinter der Glastür zeichnen sich ein paar Schatten auf dem Parkett ab. Es sieht nur aus wie Parkett, es ist Kunststoff-Fußbodenbelag. Der Kommissar will die Türe aufstoßen, da brandet ein markerschütterndes Geschrei auf! Wie von tausend Teufeln in die Atmosphäre entsandt, stehen die grausamen Kinderschreie ein paar Sekunden lang in der Luft, die zum Zerbersten angeschwollen ist. Dann der Angriff! Vierzig Kinder mit ausgezehrten Gesichtern, Kinder, die nie lachen konnten, weil Schwester Gertrud es ihnen anders befahl, mit haßerfüllten, verschlagenen Augen, fliegen auf Kommissar Schneider zu, und einer hat ihn schon an der Kehle. Damit fertig zu werden ist kaum möglich, auch für Kommissar Schneider nicht. Er rutscht aus und schlägt mit dem Hinterkopf auf den harten Boden, Blut schießt ihm unter die Augen. Einer der Kleinen haut mit dem Gebrüll eines Löwen mit einem Wischmop zu, das Ding dringt dem Kommissar tief in den rechten Oberarm ein. An seinen Beinen zappeln gleich mehrere Kinder, ein Mädchen beißt mit Leibeskräften in seine Waden. Schon ist sein schöner Mantel blutig. Wie in Rage schlagen sie auf ihn ein. Erst später merken sie, daß es gar nicht ihre »geliebte« Kinderschwester Gertrud ist! Sie lassen zitternd von dem Kommissar ab, der sich in seinem Blut wälzt und stöhnt. Sie haben den Falschen erwischt. Die Kinder rennen schnell weg. Der Kommissar ist urplötzlich allein.
Sein Blick fällt auf eine Fotografie, auf der die Kinder zu sehen sind. Und Schwester Gertrud. Sie sitzt auf einem Schlitten, und die Kinder müssen sie ziehen. Obwohl kein Schnee ist. Man sieht die Kufen des Schlittens, wie sie Funken machen auf dem Asphalt. Doch das eigentliche Aufregende ist dies: Kinderschwester Gertrud hat eine Glatze!
Der Kommissar ist zufrieden. Er kriecht an sein Auto, muß aber noch einmal zurück, weil er den Autoschlüssel auf dem Weg verloren hat. Er findet ihn nach einer Weile und kann endlich nach Hause.
Seine Frau wartet schon mit dem Essen. Der Kommissar setzt sich an den Tisch und verschlingt alles mit Schmatzen. Seiner Frau ist nicht aufgefallen, daß er verwundet ist. Sie interessiert sich nicht mehr für ihn, seit sie in Italien waren.




   User-Bewertung: +4
Was interessiert Dich an »DasFüllhornDesEwigenErbrechens«? Erzähle es uns doch und versuche es so interessant wie möglich zu beschreiben.

Dein Name:
Deine Assoziationen zu »DasFüllhornDesEwigenErbrechens«:
Hier nichts eingeben, sonst wird der Text nicht gespeichert:
Hier das stehen lassen, sonst wird der Text nicht gespeichert:
 Konfiguration | Web-Blaster | Statistik | »DasFüllhornDesEwigenErbrechens« | Hilfe | Startseite 
0.1044 (0.0915, 0.0116) sek. –– 945526050