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„Mein Bestreben“, schreibt W., „war vor allem darauf gerichtet, den großen hervorragenden Vertretern des Geistes auf ihren verschiedenen Bahnen durch eine möglichst eingehende Darstellung ihres Lebens und durch Mittheilung der reichen, meist unbekannten Quellen über dasselbe so gerecht wie nur möglich zu werden.“ Einschließlich der Vorarbeiten beschäftigte ihn dieses Werk mehr als vierzig Jahre. „Als ich“, bemerkte er 1880 in einer Eingabe an das Ministerium, „mein Werk begann, ahnte ich selbst nicht, welche Riesenaufgabe ich mir gestellt; denn ich kannte wohl die Geschichte der einzelnen Kronländer, in die einzelnen Träger der Cultur hatte ich mich nicht vertieft, und erst als ich im Zuge der Arbeit war, erkannte ich, welche Aufgabe ich mir gestellt. Ich mag auch nicht die Opfer aufzählen, welche ich dadurch gebracht, wie ich ein kleines väterliches Vermögen daran gewendet, wie ich zahlreiche lukrative Anerbieten, um mich meinem Werke ganz widmen zu können, abgelehnt, wie ich auch von allem geselligen Leben abgeschlossen, allen Genüssen, allen Zerstreuungen entsagt habe.“ Mit Befriedigung konnte er in einer anderen Zuschrift an das Ministerium darauf hinweisen, „daß diese kolossale Arbeit eines Einzigen ohne fremde Hülfe und ohne materielle Vortheile zu Stande gebracht wurde.“ Hätte W., wie es in seinem Plane lag, die Geschichte seines Werkes geschrieben, so wäre dies, wie er andeutet, eine nicht für Alle gleich erbauliche Lektüre geworden, denn der Verfasser hätte berichten müssen, wie viele Enttäuschungen er im Hinblick auf politische Ereignisse, hinsichtlich der in sein Lexikon aufgenommenen Persönlichkeiten erfahren und wie wenig Unterstützung er bei seiner Arbeit gefunden habe. Schon Meusel klagte über die Leiden eines Lexikographen und über die Launen und Grillen der Leute, die oft nicht einmal ihren Geburtstag angaben, „um vor den Augen ihrer Geliebten – wenn ihnen etwa das Buch in die Hand fiele – nicht älter zu erscheinen.“ Auch Gräffer hatte mit solchen Hindernissen zu kämpfen: „Viele tausend öffentliche Einladungen und Aufforderungen“, schreibt er in seinem Schlußworte, „blieben so gut als ohne Ergebniß; nichts zu erwähnen von so mannichfachen Hemmungen eigener Art.“
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