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Ghost-Buster schrieb am 13.8. 2017 um 07:18:24 Uhr über

Lebensgeister



... oder lebende Geister ???


Der Zauberlehrling

von Johann Wolfgang von Goethe



Hat der alte Hexenmeister

Sich doch einmal wegbegeben!

Und nun sollen seine Geister

Auch nach meinem Willen leben.

Seine Wort’ und Werke

Merkt’ ich, und den Brauch,

Und mit Geistesstärke

Thu’ ich Wunder auch.



Walle! Walle

Manche Strecke,

Daß, zum Zwecke,

Wasser fließe,

Und mit reichem vollem Schwalle

Zu dem Bade sich ergieße.



Und nun komm, du alter Besen!

Nimm die schlechten Lumpenhüllen;

Bist schon lange Knecht gewesen;

Nun erfülle meinen Willen!

Auf zwey Beinen stehe,

Oben sey ein Kopf,

Eile nun und gehe

Mit dem Wassertopf!



Walle! Walle

Manche Strecke,

Daß, zum Zwecke,

Wasser fließe,

Und mit reichem vollem Schwalle

Zu dem Bade sich ergieße.



Seht, er läuft zum Ufer nieder;

Wahrlich! ist schon an dem Flusse,

Und mit Blitzesschnelle wieder

Ist er hier mit raschem Gusse.

Schon zum zweitenmale!

Wie das Becken schwillt!

Wie sich jede Schale

Voll mit Wasser füllt!



Stehe! stehe!

Denn wir haben

Deiner Gaben

Vollgemessen! –

Ach, ich merk’ es! Wehe! wehe!

Hab’ ich doch das Wort vergessen!



Ach das Wort, worauf am Ende

Er das wird, was er gewesen.

Ach, er läuft und bringt behende!

Wärst du doch der alte Besen!

Immer neue Güsse

Bringt er schnell herein,

Ach! und hundert Flüsse

Stürzen auf mich ein.



Nein, nicht länger

Kann ich’s lassen;

Will ihn fassen.

Das ist Tücke!

Ach! nun wird mir immer bänger!

Welche Miene! welche Blicke!



O, du Ausgeburt der Hölle!

Soll das ganze Haus ersaufen?

Seh’ ich über jede Schwelle

Doch schon Wasserströme laufen.

Ein verruchter Besen,

Der nicht hören will!

Stock, der du gewesen,

Steh doch wieder still!



Willst’s am Ende

Gar nicht lassen?

Will dich fassen,

Will dich halten,

Und das alte Holz behende

Mit dem scharfen Beile spalten.



Seht, da kommt er schleppend wieder!

Wie ich mich nun auf dich werfe,

Gleich, o Kobold, liegst du nieder;

Krachend trifft die glatte Schärfe.

Wahrlich! brav getroffen!

Seht, er ist entzwey!

Und nun kann ich hoffen,

Und ich athme frei!



Wehe! wehe!

Beide Theile

Stehn in Eile

Schon als Knechte

Völlig fertig in die Höhe!

Helft mir, ach! ihr hohen Mächte!



Und sie laufen! Naß und nässer

Wird’s im Saal und auf den Stufen.

Welch entsetzliches Gewässer!

Herr und Meister! hör’ mich rufen! –

Ach da kommt der Meister!

Herr, die Noth ist groß!

Die ich rief, die Geister,

Werd’ ich nun nicht los.



„In die Ecke,

Besen! Besen!

Seyd’s gewesen.

Denn als Geister

Ruft euch nur, zu seinem Zwecke,

Erst hervor der alte Meister.“




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