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Retierrusserd schrieb am 23.5. 2014 um 14:39:12 Uhr über

Sporen

Schon hatte es den Anschein, als ob die Unterhandlungen zu keinem Erfolge führen sollten, da Leopold infolge der englischen Einwände, welche bei dem Könige von Preußen Eingang gefunden hatten, sich vor die Alternative gestellt sah, den Status quo anzuerkennen oder einen neuen Krieg zu führen. Die österreichischen Bevollmächtigten sahen sich wie in einer Zwickmühle, bestand ja doch nun einmal die eiserne Nothwendigkeit, einen Krieg mit Preußen zu vermeiden. Graf Herzberg eröffnete ihnen trocken und ohne alle Umschweife, daß er positiven Befehl habe, ihnen zu erklären, daß wenn in spätestens acht bis zehn Tagen Leopold nicht zu einer bestimmten Antwort sich entschlossen hätte, der König von Preußen die Unterhandlungen als abgebrochen ansehen werde. Die Entmuthigung steigerte sich, als die Nachricht von dem am 14. Juli 1790 erfolgten Tode Laudon’s eintraf. Daraus, daß Preußen seine Truppen gegen die österreichische Grenze vorschob, konnte man schließen, daß eine Weigerung österreichischerseits, den Status quo anzuerkennen, das Signal zur preußischen Kriegserklärung sein werde. Daß England und Holland in diesem Falle gemeinsam mit Preußen vorgehen würden, war nicht zu bezweifeln. Endlich brachten es S. und Reuß so weit, die Vertreter Englands und Hollands insofern auf ihre Seite zu bringen, als dieselben versprachen, zwar für den Status quo, aber im Sinne einer Erklärung zu stimmen, wie sie S. und Reuß entworfen hatten. Weiter verpflichteten sie sich, die preußische Einmischung in die niederländischen Angelegenheiten entschieden zurückzuweisen, dagegen sollte Preußen bestimmt werden, die Verfassung mit zu garantiren. So wurden die Vertreter Englands und Hollands infolge der Beredsamkeit Spielmann’s und Reuß’ und des guten Rechtes der Oesterreicher umgestimmt und Herzberg erlitt auf diese Weise eine unverkennbare Schlappe. Im übrigen hielt Graf Philipp Cobenzl den Status quo noch immer nicht für ganz unvortheilhaft. „Vielleicht wäre sachdienlich“ schrieb der Staatsvicekanzler am 20. Juli an Spielmann, „wenn Sie dem Herzberg zu Gemüthe führten, daß es nicht unsere, sondern blos der Engländer Schuld ist, daß Preußen jetzund leer ausgeht und daß ein künftiges freundschaftliches, aufrichtiges und gut nachbarliches Einvernehmen mit uns dem preußischen Hofe weit größere Vortheile schaffen könnte, als die bisherige Spannung und gehässige Rivalität.“


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