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Ging da nicht so etwas wie ein Aufatmen durch die katholische Gemeinde St. Marien?
Zwei Sonntage war sie nicht zugegen (Ibiza).
Sie kniet immer. Im Mittelgang, aber nicht Mitte, sondern etwas seitlich. Früher eher hinten, also Nähe Eingang, jetzt eher vorn, aber nicht ganz vorn.
Ganz in schwarz, und Hut mit Schleier. Beim Knien rutscht der Rock etwas über die Knie. Die Strümpfe darunter haben eine Netz-Struktur, sind aber blickdicht. Schuhe mit normal hohen Hacken. Überhaupt hat sie jetzt einen Mantel an, sie kniet auf dem Mantel, nicht auf dem kalten Boden.
Trotzdem schauen alle, nicht nur Männer, verstohlen hin: es ist nichts Erregendes zu erblicken, aber vieles zu erinnern.
Respekt und Toleranz allenthalben für Conni, die Dorfhure.
Nicht durchweg. Neulinge oder jahraus, jahrein Unbelehrbare witzeln oder lachen, gedämpft zwar, aber unüberhörbar, und Earon, Connis kleiner Sohn, der neben ihr kniet, dreht sich manchmal um, mit einem erbosten Gesicht: ich merke mir eure Gesichter! Wartet nur, bis ich groß bin!
Übrigens knien beide nah bei einem Quergang: über den verziehen sie sich, wenn ausgekniet ist, und setzen sich irgendwo hinten hin.
Nach der Fürbitte kommen sie auf dem Seitengang nach vorn; Conni gibt ihrem Sohn einen Schein in die Hand für die Spende.
Nur an hohen Festtagen bleiben sie bis zum Ende.
Das sei alles Theater, behaupten Missgünstige (vor allem Frauen), wenn Conni, knieend, weint. Weil manche glauben, ein Beben zu beobachten.
Regelmäßig geht sie zur Beichte.
Welche Verlegenheit für das ihr nachfolgende Beichtkind, das eventuell länger als gewöhnliche hat warten müssen, und dann ausgerechnet sie.
Der Beichtvater dürfte das kostbare Parfüm kennen, d.h. den Duft, aber weiß er die Marke?
(Es ist »Obsession« von Calvin Klein).
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