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Ich zog meinen Bademantel aus und stand eine Minute nackt vor meinem Spiegel, um ein letztes Mal die milde Sommerluft auf meiner frisch duftenden Haut zu spüren. Ich bewunderte meine frisch rasierten Beine und meine sorgfältig ausrasierten Achseln. Kein Härchen war zu sehen. Widerwillig zog ich BH und Höschen an. Es folgte mein Mieder. Seit ich vor ein paar Wochen einmal meinte, darauf verzichten zu können, ließ meine Mutter es sich nicht nehmen, jeden Morgen zu prüfen, ob ich auch gemiedert wäre. Das Gefühl der festen Einengung würde den ganzen Tag nicht von mir weichen.
Es folgten zwei dünne hautfarbene Seidenstrümpfe, die ich mit Strumpfbändern am Mieder befestigte. Nun folgte der zarte spitzenbesetzte Unterrock, auf den ich auch im Sommer nicht verzichten durfte, schon um sicher zu gehen, dass meine Strumpfbänder sich nicht unter dem Rock abzeichnen würden. Wegen des warmen Wetters hatte meine Mutter wohl auf ein Unterhemd verzichtet. Dafür hing an meinem Schrank eine strahlend weiße frisch gebügelte und gestärkte langärmelige Hemdbluse. Der kühle Stoff streichelte meine nackte Haut, als ich hinein schlüpfte. Zuerst knöpfte ich die Manschetten zu, sodass sie meine zarten Handgelenke sanft umschlossen, dann einen Knopf nach dem anderen bis zum Hals. Der Kragen lag eng am Hals an, so eng, dass es nicht ganz einfach war, den obersten Kragenknopf zu schließen. Es war meiner Mutter sehr wichtig, dass meine Blusen exakt am Hals abschlossen. Sie prüfte den korrekten Sitz meines Kragens, indem sie versuchte, ihren Zeigefinger zwischen meinen Kragen und meinen Hals zu schieben. Gelang ihr dieses leicht, so wurde umgehend der Kragenknopf versetzt. Sollte der Kragen einmal zu eng sein, so sagte meine Mutter immer: »Besser als zu weit, mein Engel. Der Kragen wird sich mit der Zeit schon weiten.« Ich hatte dann den ganzen Tag darunter zu leiden. Der Kragen dieser Bluse saß aber perfekt. Weil es Sonntag war, musste ich noch eine Brosche am Kragen befestigen.
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