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Lisa schrieb am 23.12. 2024 um 07:20:09 Uhr über

Lisa

Liebe Dr. Weber,

ich hoffe, es ist in Ordnung, dass ich Ihnen schreibe. Es fällt mir leichter, meine Gedanken so zu sortieren, als sie laut auszusprechen. Die letzten Wochen waren für michein Chaos. Vielleicht haben Sie das schon längst bemerkt, vielleicht sogar früher als ich selbst.

Ich weiß, dass ich oft dichtgemacht habe, wenn Sie versucht haben, an die wunden Punkte in mir heranzukommen. Es war nie böse gemeint, aber jedes Mal, wenn Sie näher kamen, fühlte es sich an, als würde ich die Kontrolle verlieren. Kontrolledas ist wohl das Einzige, was ich noch zu haben glaube.

Sie haben recht, wenn Sie sagen, dass ich mich in destruktive Muster stürze. Die Partys, der Alkohol, die Männer, die ich eigentlich nicht einmal mages ist, als würde ich mich absichtlich sabotieren. Danach fühle ich mich leerer als vorher, und trotzdem mache ich es immer wieder. Warum? Weil es für einen kurzen Moment funktioniert. Für einen kurzen Moment vergesse ich, wie laut es in mir ist.

Ich erinnere mich an den Moment, als Sie mich gefragt haben, warum ich Menschen so schnell wegstoße. Ich hätte Ihnen sagen sollen, dass ich mehr Angst davor habe, jemanden zu verlieren, der mir etwas bedeutet, als davor, alleine zu sein. Es klingt so paradox, aber ich glaube, genau das ist es.

Sie haben vorgeschlagen, dass ich in eine Klinik gehe. Zuerst war ich wütend, fast schon beleidigt. Aber jetzt denke ich darüber nach und frage mich, ob das nicht vielleicht genau das ist, was ich brauche. Einen Ort, an dem ich nicht wegrennen kann, an dem ich mich wirklich mit mir selbst auseinandersetzen muss. Vielleicht habe ich Angst davor, weil ich weiß, dass ich dort Dinge fühlen werde, die ich seit Jahren wegdrücke.

Dr. Weber, ich möchte nicht mehr so weitermachen. Ich möchte nicht mehr jeden Morgen aufwachen und mich fragen, was ich falsch mache oder warum ich mich so leer fühle. Wenn Sie glauben, dass eine stationäre Behandlung mir helfen kann, dann werde ich diesen Schritt gehen.

Danke, dass Sie nicht aufgegeben haben, auch wenn ich oft stur und abweisend war. Vielleicht bin ich doch nicht sokaputt“, wie ich manchmal denke. Vielleicht gibt es da noch etwas in mir, das es wert ist, gerettet zu werden.

Bitte sagen Sie mir, wie ich den nächsten Schritt gehen kann.

Mit freundlichen Grüßen,
Lisa


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