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Freno schrieb am 16.5. 2019 um 00:22:51 Uhr über

Traumstück

ZumTraumstückdes „gerichteten Grafsvom 12.5.19 möchte ich ein paar Anmerkungen tun. Ich habe selbst eine vollständige Psychoanalyse hinter mir, die chronologisch erstenin der Analyse letztenTraumata sind durch Traumdeutung wieder erinnert worden. Aber es wäre völlig vermessen, den Traum des Grafen deuten zu wollen. Psychoanalytische Traumdeutung setzt detailierte Kenntniss von der Biographie des Träumers voraus.

Es gibt aber einen sehr wahrscheinlichen Zusammenhang, den ich skizzieren möchte:

Die Erbsünde der großen monotheistischen Religionen ist psychoanalytisch gesehen eine durchTraumarbeitverfremdete Erinnerung an den Ödipus-Konflikt: Gott ist der Vater, Eva die Mutter und Adam der Sohn, der in Abwesenheit des Vaters ein starkes sexuelles Begehren auf die Mutter richtet. Dabei wird er von seinem Genitalder Schlange – geleitet, die den Apfel, der im Originaltext ein Granatapfel ist, ein Symbol der Vagina, begehrt. Das Strafgericht Gottes für diesen Sündenfall symbolisiert die Introjektion des obsiegenden Konkurrenten durch das (männliche) Kind, das diesem Konkurrenten ja ausgeliefert bleibt.

Die monotheistische Religion stellt sich deshalb als makrosoziale Gruppentherapie für das Schuldgefühl dar, daß wir normalerweise aus dem Ödipus-Konflikt mitbekommen, ohne es jedoch einem konkreten frevelhaften Verhalten zuordnen zu können, weil der Ödipus-Konflikt als solcher verdrängt ist. In seiner narzisstisch-aktiven Form wird diese Schuld auf andere projiziert, der narzisstisch Aktive geriert sich als Bußprediger, der den anderen Vorwürfe macht und Bußübungen, Verzichte, „große Opfer und gewaltige Anstrengungen“ abverlangt – der narzisstisch Passive (und das ist die große Mehrheit) nimmt diese Bußübungen bereitwillig auf sich. (In unseren säkularisierten „aufgeklärten“ Zeitläuften ist es die Wissenschaft, welche die verwaiste Rolle der Religion übernommen hat und uns mit Schuldvorwürfen überhäuft, die wir willig annehmen: wir sind Schuld und müssen Buße tun, verzichten, uns aufopfern, um unsere Verbrechen zu sühnen und den Untergang zu meiden, der Gnade teilhaftig zu werden.)

Das jüngste Gericht der Apokalypse ist der Zustand der Analyse, in dem der Mensch seine verdrängten Traumata wieder erlebtnormalerweise im Sterbevorgang, sofern er bewußt vonstatten geht.

Ein Traum von einem solchen Gericht kann also prinzipiell gedeutet werden als ein Begehren des Unbewußten auf Verarbeitung eines traumatisierenden Schuldvorwurfs. Ob es der Schuldvorwurf aus dem Ödipus-Konflikt ist, kann man, wie schon gesagt, nicht ohne biographische Kenntnis annehmen. Man kann nur eine Richtung angeben, in der man möglicherweise psychoanalytisch zu fahnden hätte.


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